illustration den glänzendsten Aufschwung, und zumal aus venetianischen
und florentinischen Pressen gingen um die Wende des XV. und XVI.
Jahrhunderts Erzeugnisse hervor, welche bis auf den heutigen Tag nicht
übertroffen worden sind und zunächst auch die Richtung der Buchillustration
in Deutschland und Frankreich bestimmten. So kam in
Venedig das Einfügen kleiner Holzschnitte, der Vignetten, wie wir jetzt
sagen, auf, und Italien im Allgemeinen war es, welches den neuen Styl
in architektonischen Titelumrahmungen, Kopf- und Randleisten, Schlussstücken
etc. zur Geltung brachte. Da bauten sich phantastische Bogenstellungen
auf, da überzog das aus antiken Wurzelstöcken üppig emporgeschossene
Pflanzeuornament der Renaissance Pilaster und Friese, da
wurden in Nischen und Giebelfeldern allegorische Figuren, wie die sieben
freien Künste, Weisheit, Wahrheit, Gerechtigkeit und dergleichen mehr,
angebracht, oder die Büsten von Imperatoren und Rednern, während
den Sockel ein neckisches Volk von Putten umspielte, oder das Blatt-,
Ranken- und Bandwerk umspann in freien Umschlingungen den Text.
Es braucht nicht hervorgehoben zu werden, welche Stellung Wol-r
gemut, Dürer, Burgkmair, I-Iolbein in der Geschichte des Holzschnittes
einnehmen; an der Entwickelung der eigentlichen Buchillustration
in Deutschland aber hat der Letztgenannte einen besonders hervorragenden
Antheil. Was er während seines Aufenthaltes in Basel geschaffen hat an
Bildern für den Holzschnitt, an verzierten Initialen, Signeten u. s. w.,
ist mustergiltig für alle Zeiten, namentlich auch in Beziehung auf das
Verhältniss des Künstlers zum Buche. Holbein ist noch der Illustrator
im wahren Sinne. Er erfasst und gestaltet den vom Texte gelieferten
Stoß künstlerisch, aber er thut demselben nicht Gewalt an, so wie er
sich andererseits nicht darauf beschränkt, lediglich mit dem Griffel zu
umschreiben, was schon mit Worten gesagt worden und dem aufmerksamen
Leser ohnehin verständlich ist; in den ornamentalen Beigaben
dagegen lässt er seine Phantasie und seinen Humor frei walten. Zu
solchen ornamentalen Beigaben dürfen wir auch die Signete zählen,
die Buchdrucker- und Verlegerwappen, welche uns so recht vergegenwärtigen,
welch' ein künstlerischer Zug damals die Welt beherrschte.
Der Drucker war nicht zufrieden damit, seine Firma auf dem Buche anzugeben,
es sollte auch sein Symbol, seine Devise tragen und auch darin
schon sich als Kunstwerk legitimiren. Von der einfachen Hausmarke
Peter Schöffefs angefangen, hat man bereits bei 1500 solcher Signete
gesammelt und immer noch werden bisher übersehene entdeckt, freilich
oft nur mäßige Leistungen oder Nachahmungen der Wappen berühmter
Officinen (Markenschutz gab es noch nicht), oft aber auch Werke ausgezeichneter
Künstler. Wir wollen nur an die bekanntesten erinnern:
die Florentiner Lilie des Hauses Giunta, den Delphin des Aleo Manuzio
in dem meerumspülten Venedig, den Adler mit Pfeilbündel und
der Legende vConcordia res parvae crescuntu des Hauses Elzevir in