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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 239)

den Niederlanden, den Cirkel Plantin's in Antwerpen, Holbein's

Zeichnungen für Valentin Curio in Basel (die sogenannte Parrhasius-Tafel,

 auf welcher eine Hand zwischen zwei eng aneinanderstehenden

Linien eine dritte zieht), für Frosch over in Zürich, dessen Namen er

launig in Frosch und Ober zerlegte etc. Mancher Drucker ließ sich fort

und fort neue Signete componiren; so existirt die Fama Sigmund Feyerabencl's

 in Frankfurt in zahllosen Variationen von Jost Amman u. A.

Und hinter dem Drucker wollte der Eigenthümer des Buches nicht

zurückbleiben; so entstanden die sogenannten Exlibris, Vignetten mit dem

Namen, dem Wappen oder der Devise des Bücherireundes, die er in den

Deckel seiner Bibliotheksvirerke einkleben ließ. In alledem sehen wir jenes

Zusammenwirken von Gelehrsamkeit, Kunst und Industrie, welches wieder

in's Leben zu rufen die Gegenwart eifrig beliissen ist. Häufig waren die

Buchdrucker selbst Männer der Wissenschaft, und wenn nicht, so hatten

sie solche als Berather, auch als Correctoren des Satzes zur Seite und

nahmen die Dienste der besten Künstler in Anspruch; und Beide, Gelehrte

 und Künstler, glaubten nicht herabzusteigen, wenn sie ihr Wissen

und Können der Industrie zur Verfügung stellten.

Allzu lange währte freilich dieser glückliche Zustand nicht. Ueberall

wandte sich bereits im XVI. Jahrhundert die Vorliebe dem neueren und

in manchem Belang überlegenen Reproductionsmittel des Kupferstiches

zu, und vornehmlich war es wohl die Fähigkeit, eine stärkere, sozusagen

coloristische Wirkung zu erzielen , was denselben in Gunst brachte.

Vollends die Pflege und Bevorzugung, deren sich der Kupferstich im

XVII. Jahrhundert in Frankreich zu erfreuen hatte, übte ihren Einfluss

auch auf die anderen Länder aus, welche eben damals sich gewöhnten,

dem französischen Beispiele in Allem zu folgen. In Deutschland kam

noch etwas Anderes dazu. Wie die Heiligenbilder in Holzschnitt für den

Norden eine größere Bedeutung hatten als für Italien, wo das Volk allüberall

 in den Kirchen Gelegenheit hatte, die Geschichten der Bibel und

der Heiligenlegenden in großen farbenreichen Gemälden viel lebhafter

und anschaulicher erzählt zu sehen, so ergriff ebenda die kirchliche Bewegung

 im XVI. Jahrhundert die Gemüther viel mächtiger, und alle

Parteien benützten begierig das Mittel, durch Bild und Wort Propaganda

zu machen. Dachpredigten, Streit- und Spottschriften gingen von beiden

Seiten aus, und der Holzschnitt musste der populären Beredsamkeit zu

Hilfe kommen. Begreiflicherweise waren es in der Regel keine großen

Künstler, welche ihre Kraft solcher Literatur widmeten, und da in den

religiösen, politischen und kriegerischen Wirren wenig Lust zu bedeutenderen

 Unternehmungen vorhanden sein konnte, wie die Verwüstung

der Länder, die Zerrüttung des Wohlstandes sie vollends ersticken musste,

setzte sich endlich die Vorstellung fest, der Holzschnitt tauge überhaupt

nur für grobe und rohe Darstellungen.

Und diese Vorstellung hat sich lange Zeit behauptet.
            
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