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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 239)

von Gegenständen, wohl geordnet und, wo es nöthig, mit den erklärenden

Notizen versehen, zur Ergänzung mit den Ansichten der Gegenden in

Photographien und trelflichen Aquarellen begleitet, so dass wir mit

unserem Studium tief und vollständig in medias res Pamphyliens eingeführt

 werden.

Aber nicht blos Pamphyliens und nicht blos in die altclassische

Zeit. Der Orient hat zwei langdauernde grundverschiedene Culturen

erlebt, von der Fülle der Völkerschaften abgesehen, die über ihn hinweggezogen

 sind oder ihres Bleibens in ihm gehabt haben. Er hat die altclassische

 Cultur gehabt, ein Jahrtausend und länger, und dann die

saracenisch-mohammedanische Cultur, die wiederum, obwohl mit jener

im größten Gegensatze stehend, Jahrhunderte der höchsten Blüthe

gesehen hat, bis sie unter der Türken-Herrschaft tiefer und tiefer verkommen

 und versunken. Beide Culturen nun stellt uns unsere Ausstellung

 neben einander. Mit seinem vielseitigen, alles Schöne gleicher

Weise umfassenden Kunstsinne hat Graf Lanckorinski über dem Studium

der Antike und dem historischen Interesse die Freude an den decorativen

Schönheiten der saracenischen Kunst nicht verloren, wie es sonst wohl

Manchem ergangen ist, und so hat er in Smyrna, in Rhodus, in Lykien

und Pamphylien neben classisch-antiken Fragmenten gesammelt, was er

Gutes von mohamrnedanischer Art und Kunst erwerben konnte. Und

dazu gesellt sich ein Drittes, antik-classische Gegenstände zwar, aber in

Griechenland selber entstanden und in Athen erworben. Alles zusammen

liefert den Beweis, was auch heute noch in kurzer Zeit mit Eifer und

Verständniss, mit redlichem Bemühen und hinlänglichen Mitteln zu

erwerben ist. Es ist schon ein kleines Museum für sich, das wohl einmal,

 wenn sich die rechte Stätte findet, mit Anderem, was der Eigenthümer

 sonst schon Rühtnliches und Berühmtes besitzt, ein Museum

Lanckoronski bilden wird.

Sprechen wir zuerst von den Antiken der classischen Zeit. Die

piece de resistance, um im Jargon künstlerischer Feinschmecker zu reden,

ist wohl der große Sarkophag, der auch local den Mittelpunkt der Ausstellung

 bildet. Ein stattliches Werk von weißem, hie und da mit

schwarzem Gcädcr durchsetzten Marmor, das hoch von den Felsenbergen

Ciliciens herabgebracht werden und darum, um es transportiren zu

können, leider in seine vier Seiten zerlegt werden musste. Hier ist es

wieder völlig zusammengesetzt, nur der Deckel, den Schätze suchende

Türken wohl zertrümmert haben, fehlt. Ein Kranz nackter, geflügelter

Knaben mit Blumengewinden und Geflechten, mit Fruchtkörben und

Instrumenten, deren Auslegung den Archäologen noch einige Schwierigkeit

bereitet, in einem hohen Relief gehalten, umgibt die vier Seiten.

Es ist kein Kunstwerk ersten Ranges, kein Werk der goldenen Zeit

griechischer Plastik, wohl schon eine Arbeit des 2. oder 3. Jahrhunderts

der römischen Kaiserzeit, immerhin noch an künstlerischer Leistung hoch
            
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