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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 239)

Die Reiberdrucke verschwinden keineswegs sofort nach Erfindung

der beweglichen Lettern und des Pressendruckes. Zunächst wurde ja

die Buchdruckerkunst als Geheimniss behandelt, so dass erst allmälig die

Briefmaler sich derselben bemächtigen konnten, und dann richteten die

ersten Drucker mit Recht ihr Hauptaugenmerk auf die hinlänglich schwierige

 Herstellung eines gleichmäßigen, schön disponirten und correcten

Satzes. Dabei dienten natürlich als Vorbilder die schön geschriebenen

Chorbücher, und aus diesen gingen die rothen Anfangsbuchstaben, aber

auch bald die verzierten großen Initialen in die gedruckten Bücher über.

Sie begegnen uns zuerst in dem berühmten, aus der Officin von Fust

und Schöffer 1457 hervorgegangenen Psalterium. Dieses ganz auf Pergament

 gedruckte Wunderwerk der Typographie, zugleich das erste Buch

mit Angabe des Druckers, des Druckortes und des Datums der Vollendung,

 enthält 306 verzierte Anfangsbuchstaben verschiedener Größe. Jeder

steht in einem mit Arabesken bedeckten quadratischen Felde, von welchem

nach oben und unten Schnörkel ausgehen und sich zum Theil über die

ganze Höhe der Folioseite ausdehnen; außerdem enthalten die größten

dieser Buchstaben, namentlich das 86 Millimeter hohe Anfangs-B des

ersten Psalms (Beatus vir qui non abiit in consilio impiorum), in ihren

Zügen weiß ausgesparte, sehr elegante Plianzen- und andere Ornamente.

Buchstaben und Arabesken sind farbig, die ersteren roth, die letzteren

blau, oder umgekehrt. Die Schnörkel, welche noch so direct an die Feder

des Schreibkünstlers erinnern, gab man bald auf, aber die quadratischen

Ornamentfelder kommen noch viel später und in mancherlei Abwechslungen

 vor.

Diese Schöffefschen Initialen waren freilich noch keine Illustrationen;

 aber bereits Albrecht Pfister in Bamberg stattete seine Ausgabe

von Boner"s Edelstein, der zu jener Zeit so beliebten Fabelsammlung,

von 146i, ferner ein Buch biblischer Historien von 1462 und andere

Verlagswerke mit zahlreichen, für die Zeit treBlichen l-lolzschnitten aus.

So hat jedes der 80 Lesestücke im Edelstein sein Bild und daneben eine

männliche Figur, deren Geberde ausdrückt: Hier seht Ihr, was unten

geschrieben steht.

Das Jahr des Erscheinens der biblischen Historien Pfistefs, 1462,

wurde höchst bedeutungsvoll für die Ausbreitung der Buchdruckerkunst.

Mainz, der Zankapfel zwischen zwei Kurfürsten, wurde erobert und

geplündert und die Gesellen Fust's und Schöffefs zerstreuten sich

in alle Welt, gründeten Druckereien in Italien, Frankreich u. s. w. und,

verpflanzten in diese Länder zugleich den Formschnitt, sei es als Kunst

überhaupt, sei es als Mittel der Buchillustration. In Paris und Lyon, in

Subiaco, Rom, Foligno, Venedig tauchen im letzten Dritttheil des XV.

Jahrhunderts deutsche Buchdrucker auf, die zugleich Verleger und gewiss

meistens auch ihre eigenen Holzschneider waren. Sofort von der Bewegung

 der Renaissance erfasst, nahmen dort Buchdruckerei und Buchü


            
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