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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 240)

1.--Gebrauch

 stand. Der Schlüssel, den der römische Hausherr am Finger

trug, gehörte zu diesem Systeme. Die Collection Dillinger's gibt zahlreiche

 Beispiele sowohl dieses Schlüssels sowie des Riegels mit seinen

Löchern für die Zapfen.

Ein sicheres Kennzeichen für die Zeitbestimmung gewährt allemal

die Kunst, das Ornament, aber wie es scheint, hat sich die Kunst erst

gegen Ende des Mittelalters dieser Gegenstände bemächtigt. Bei allen

älteren Gegenständen unserer Sammlung, bei den ägyptischen wie den

römischen oder denjenigen der römischen Kaiserzeit, ist das Interesse

wesentlich das der Mechanik, und man möchte sagen, dass bis zu diesem

Zeitpunkte, bis zur Völkerwanderung, in den vorausgegangenen Jahrtausenden

 die mechanischen Einrichtungen des Verschlusses schon fast alle

Systeme durchlaufen haben. Nach der Völkerwanderung musste die

Geschichte, wie auch auf anderen Gebieten, fast von neuem anfangen.

Eisen trat völlig an die Stelle von Bronze. Aber wie roh, wie primitiv

geschmiedet, wie simpel in der Form ist Alles in unserer Sammlung,

was der frühmittelalterlichen und der Zeit des romanischen Styles angehört.

Und doch hatte diese letztere Epoche, die des romanischen Architekturstyles,

 bereits kunstvoll geschmiedete Gitter und Beschläge.

Das feinere Eisenhandwerk beginnt freilich erst mit der Gothik,

und zwar in ihrer letzten Epoche, also erst im r5. Jahrhunderte. Die

Harnischfabrication, das Plattnergewerbe, das damals seiner Höhe zustrebte,

mag es vorzugsweise gewesen sein, welches der Bearbeitung des Eisens

die wundervolle Technik verschaffte. Nun entstanden auch die zierlich

durchschlungenen Gitter, das durchbrochene Laub, die blumigen Beschläge

mit ihrer gothischen Musterung. Diese Kunst und diese Ornamentik

gingen nun auch auf Schloss und Schlüssel über, die sich vom Ende

des 15. Jahrhunderts angefangen zu wahren Kunstwerken erhoben. Die

Schlossplatten wurden mit zierlichen Ranken, Laubwerk und Blumen

belegt, der Griff des Schlüssels gestaltete sich wie eine gothische Rosette,

der Bart desselben wurde durchbrochen gearbeitet in vielfacher Gestaltung.

Dieser Gestaltung entsprach irn Schlosse, im vGewirreu oder -Eingerichta,

wie die technischen Ausdrücke lauteten, mit vollständigster Genauigkeit

ein System von Zügen oder gebogenen Stäben oder Scheiben, welches

Schloss und Schlüssel dieser Art zu kleinen Meisterwerken macht. Solche

Schlösser und Schlüssel entstanden auch lange Zeit hindurch als Meisterstücke

 der Gesellen, daher sich denn Manches erhalten hat und sich

heute überall im Besitze der Kunstfreunde befindet. Auch die Dillingersche

 Sammlung zeigt eine Anzahl guter Beispiele.

Die Arbeiten der Renaissance hielten sich künstlerisch mit denen

der Gothik auf gleicher Höhe, nur fügte sie neue ornamentale Tecknik

für die Platten hinzu, Aetzung und Niellirung sowie Gravirung für die

Bachen Theile, während die runden und erhabenen zum öfteren mit

geschnittenem Ornamente versehen wurden. Dabei wurde aber die
            
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