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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 240)

KLEINERE MITTHElLUNGEN.

(Kunatgewerbesohule des k. k. Oeeterr. Museums.) Die

Kunstgewerbeschule des Museums wurde im verflossenen Schuljahre von

26g Schülern, darunter 72 weiblichen und 44 Hospitanten, besucht. Der

Staatsangehörigkeit nach waren unter diesen Schülern aus Oesterreich-Ungarn

 250, aus dem Deutschen Reiche n, aus Frankreich z, Belgien,

Italien, der Scnweiz, Russland, Rumänien und Mexiko je r. Eine Uebersieht

 der Frequenz der einzelnen Fachschulen haben wir bereits in

Nr. 237 dieser Zeitschrift veröffentlicht. Die Ausstellung der Schülerarbeiten

 wird vom 14. bis 25. October c. in den Räumen des Oesterr.

Museums stattfinden. Neu eröffnet wurde eine Abtheilung für Holzschneidekunst

 (Prof. W. Hecht).

An Stipendien und Unterstützungen für mittellose Schüler wurden

im abgelaufenen Schuljahre 18.944 fl. gewidmet und verwendet. Sieben

absolvirte Schüler der Kunstgewerbeschule wurden zu Lehrern an kunstgewerblichen

 Fachschulen bestellt und zwar in Chrudim, Gablonz, Graz,

Tetschen, Walachisch-Meseritsch und Würhenthal.

Die Vorbereitungsschule der Kunstgewerbeschule ist Anfangs

August aus dem Museum, wo sie seit dem Jahre 1871 untergebracht

war, in ihr neues Heim in dem Gebäude der k. k. Unterrichtsanstalten

am Hegelplatze ühergesiedelt. '

(Oßßwtr. Museum.) Neu ausgestellt: Schlafzimmermöbel von W. Beta

in Wien; - Photographien nach den japanischen Gegenständen der Sammlung Riebec

in Berlin; -- Fahne und Band für den Kammer Sangerbund Klagenfurt, ausgeführt in

der Kunstanstalt von Carl Giani iunior (nur kurze Zeit ausgestellt); - drei antike

Marmorreliefs, ein Eisengitter, 16. Jahrh, Eigenthum des Grafen Carl Lanckoronsky;

- Album in Leder gebunden mit Handvergoldung von J. Neidhardt, k. k. Hofbuchbinder

 in Wien, Eigenthum der Frau Fürstin Metternich; - eine neue Collection Gläser

in Venezianer Art von Fr. Zitzmann; - Credenz mit Einlagen von gemalter Faience

von Hans Pach er in Wien (Wiener Kunsrgewerbeverein): - zwei Kirchenfenster für

Altmunster, im Auftrage Sr. k. Hoheit Herzog Philipp von Württemberg ausgeführt in

der Tiroler Glasmalerei-Anstalt zu Wien; - Miniaturen, Initialen und Ornamente aus

der Bibel KarVs des Kehlen in den vom Grafen Bastard herausgegebenen Reproductionen:

- das Barock- und Rococo-Ornament in Deutschland, Publication von C. Gurlitt; -

Loffel aus Rennthierhorn, lappländisch.

(Basuoh 6.69 Museums.) Die Sammlungen des Museums wurden im Monate

August von 9689, die Bibliothek von 1074 Personen besucht.

(Eine polyohromirte Statue im Oesterr. Museum.) Zu den

ungelösten Fragen, welche heute auf das lebhafteste die Kunstwelt,

Künstler wie Gelehrte, beschäftigen, gehört die Färbung der Plastik.

Die Frage ist von der Architektur auf die Sculptur übergegangen, und

nachdem sie geschichtlich für die antike Zeit und das Mittelalter zu

Gunsten der Polychromirung entschieden worden, ist sie nun auch theoretisch

 für das Schaffen der Gegenwart aufgeworfen und lautet; Sollen

wir unsere Holz- und Marmorbildwerke in der Farbe des Materials

belassen oder sollen wir sie ganz oder theilweise nach der Natur polychromiren?

 Es wird sich vom Standpunkte der Aesthetik Vieles für und

wider das Eine wie das Andere sagen lassen und ist ja auch schon

gesagt worden; die Entscheidung aber kann nur durch die Praxis kommen.

Die Künstler müssen uns Beispiele vorführen der ganzen wie der theilweisen

 Polychromirung, und es wird sich dann zeigen, ob unser der

farbigen Plastik entwöhntes Auge Gefallen daran finden kann. Von

diesem Standpunkte aus ist ein jeder neue Versuch willkommen zu heißen,

ob er uns gelungen erscheint oder nicht, 0b er gefällt oder nicht.
            
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