Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 240)

_ 474

Nicht zu vorübergehendem Ergötzen Einzelner, sondern zur geistigen

Erhebung des ganzen Volkes, zur Bildung der Jugend vor Allem sollen

die Tempel der bildenden Kunst, wie die Hallen der Dichtung und Musik,

allezeit bereitwillig offen stehen. So will es der Geist unserer Epoche.

Ich habe damit im Allgemeinen angedeutet, in welchem Sinne der

Vorschlag zur Gründung eines neuen plastischen Museums

gemeint ist, welchen ich heute machen will. Ueber die Nothwendigkeit,

die Plastik in unseren Wiener Sammlungen ausgiebiger und glänzender

zu vertreten, als es bisher geschehen ist, herrscht in der künstlerischen

und in der gelehrten Welt wohl nur Eine Stimme. Die Sammlungen

des Kaiserhauses, das Antikencabinet, das untere Belvedere, das Oesterr.

Museum, die Akademie der bildenden Künste rühmen sich des

Besitzes einzelner hervorragender Werke der Sculptur des orientalischen

und classischen Alterthums, des Mittelalters und der neueren Zeit; hin

und wieder werden glückliche Erwerbungen gemacht, wie die kürzlich aus

Lykien nach Wien geschaiften, von attischem Geist erfüllten Reliefbildwerke

 oder die aus Cypern stammende Aphroditestatue - aber im Ganzen

erweist sich die Repräsentation der Plastik in unseren Museen als höchst

mangelhaft, und verblasst vollends, wenn man ihr das leuchtende Bild

der Belvedere-Galerie mit ihren Perlen venetianischer, niederländischer

und deutscher Malerei zur Seite stellt.

Wird es möglich sein, die Lücken durch Anschaffungen von Originalwerken

 der Sculptur allmälig auszufüllen? Wir müssen es bezweifeln!

 Dazu gehörten, außer hundertfach vermehrten Mitteln, vor Allem

eine Reihe so selten günstiger Gelegenheiten, wie sie sich in Pergamon,

in Gjölbaschi und beispielsweise bei dem Ankauf aus den Pracbtgemächern

des Palazzo Strozzi den nordischen Museenverwaltungen dargeboten haben.

Und selbst dann bliebe zu befürchten, dass derartige glückliche Funde

oder Erwerbungen immer nur einzelnen Sammlungefoder Abtheilungen

erhöhten Glanz verleihen, dass andererseits aber der Mangel einer umfassenden

 Sculpturensammlung allgemeinen Charakters und

großen Stils trotzdem fühlbar bleiben würde.

Man hat daher den Plan gefasst, was in Originalen nicht zu erreichen

ist, durch Nachbildungen zu beschaffen. Das war die Genesis des

Gedankens der Anlage eines neuen Museums von Gypsabgüssen.

Nicht nur in Künstler- und Gelehrtenkreisen ist der Gedanke wiederholt

aufgetaucht, sondern er hat auch in der Volksvertretung durch den Mund -

des Abgeordneten Grafen Gundacker Wurmbrand in der Sitzung des

Reichsraths vom 19. März v. J. beredten Ausdruck gefunden. Je seltener

in den modernen Parlamenten eine Stimme zu Gunsten der künstlerischen

und kunstgelehrten lnteressen sich erhebt, um so freudiger haben wir

diesen hoünungerweckenden Klang begrüßt. Ein Comite von Künstlern,

Gelehrten und Kunstfreunden bildete sich unter dem Vorsitze des Directors

 des k. k. Oesterr. Museums, und im Schoße der Berathungen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.