Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 241)

502

Letztere muss der Zweck einer stilvollen Decoration derartiger Museumsräume

 sein. Es handelt sich hier ja nicht um Ausschnitte aus der Natur,

sondern um Bilder der Cultur, in denen die Kunst den Mittelpunkt

des Interesses bildet. Wenn ich mir also die gesammte Decoration und

Ausstattung unseres neuen Museums höchst einfach denke, so könnte der

Architekt desselben andererseits in der Gestaltung und Gruppirung

der Museumsräume meiner Meinung nach dennoch einen großen Reichthum,

 die wechselvollste Mannigfaltigkeit entwickeln, etwa so, wie uns

dies die Anlagen der altrömischen Thermen lehren. Das proponirte

Gruppen- und Pavillonsystem böte dazu die passendste Grundlage; Höfe

können mit Sälen, Hallen mit Galerien abwechseln; an die größeren

Räume werden kleinere Zimmer sich anschließen. Schon darin besäße

der Architekt ein Mittel zur Stilcharakteristik. Denn wir wissen

ja, wie verschieden entwickelt der Raumsinn der Völker war, wie bei

dem einen Volke Streben nach Massenhaftigkeit und Raumgröße Hand

in Hand gehen, bei dem andern hingegen auf's Merkwürdigste contrastiren.

Was kann es Massigeres und Gewaltigeres geben als die Pyramiden und

Pylonen der Aegypter? Dem ägyptischen lnnenbau dagegen fehlt jede

räumliche Freiheit; Dichtsäuligkeit, Massigkeit herrschen dort. Im Riesensäulensaal

 von Karnak sieht man den Saal vor lauter Säulen nicht. Erst

bei den Römern zeigen sich Raum und Masse vereint, Eines durchdringt

das Andere. Man könnte sagen, der architektonisch gegliederte, kühn

überwölbte Raum der Römerbauten sei das künstlerische Spiegelbild der

römischen Weltherrschaft. Und wie sich so die verschiedenen Volksnaturen

und Weltepochen in der Gestaltung unseres Museums bezeichnend

charakterisiren ließen, so müsste selbstverständlich z. B. innerhalb der

den Römern gewidmeten Räumlichkeiten wieder zwischen den Gemächern

für die pompejanische Kunst und für ihr kleines, poetisch erfundenes

Zierwerk und zwischen den Hallen und Sälen für die römischen Götterund

 lmperatorenstatuen, für die Architekturstiicke von den Triumphbögen

und für die Reihen der herrlichen Porträtbüsten räumlich unterschieden

werden. Wieder andere, je nach den Zeitcharakteren sich verschiebende

Gesichtspunkte gelten für das Mittelalter und die Renaissance. Da können

wir uns z. B. die Fülle der malerisch in Baldachinform oder als Wandgrab

 ecnporgebauten Denkmäler in einer offenen, dem Camposanto nachgebildeten

 Halle vereinigt denken; durchaus verschieden davon müsste

die Lösung derjenigen Räume sein, in denen die zierliche Pracht der

Frührenaissance mit ihrer goldschmiedmäßig feinen, realistischen Sculptur

zur Geltung gelangen soll; und wiederum anders geartet die Säle der Hochrenaissance,

 in denen Michelangelds David und Medicäergräber den Ton

anzugeben haben und der Platz geschalfen werden muss, von welchem

aus der Moses vom Grabmale Julius Il. die ihm vorn Künstler zugedachte

dominirende Wirkung übt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.