Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 242)

524

oder hier und da Unvollständiges, zumal nach ihrer archäologischen

Seite, so erfreut man sich doch am Vorhandenen. Manches ergänzt die

Antwerpener Ausstellung, wo z. B. die französischen Bronzen- und Emailarbeiten

 reicher und vollständiger vertreten sind. Beide Ausstellungen

zusammen setzen uns vollständig in Kenntniss über das Was und Wie

der heutigen Arbeit auf dem Gebiete der edlen Metalle, Bronze mit eingeschlossen.



Das größte Aufsehen von allen Metallarbeiten der diesjährigen

Ausstellungen haben wohl die japanischen in Nürnberg gemacht und

gewiss verdientermaßen. Sie sind nicht blos in einer Reichhaltigkeit erschienen

 wie niemals auf einer Weltausstellung, zeigten nicht nur die

alten und wohlbekannten Vorzüge, die Mannigfaltigkeit der Technik, die

Feinheit und Vollendung der Arbeit, die Sauberkeit der Ausführung, die

charakteristisch natürliche Zeichnung und Naturbeobachtung des Pflanzenund

 Thierreiches, sondern überraschten auch durch neue und in ihrer

Art erstaunliche Leistungen und ganz besonders im Email. Wie sie den

Cloison- oder Zellenschmelz zu wirklichen Gemälden verwendet haben,

erscheint fast räthselhaft. Ohne Frage, die Japaner sind groß in ihrem

Genre.

Ob aber auch wir es sind, wir Europäer, wenn wir ihr Genre

nachahmen, wenn wir uns nicht begnügen, von ihrer Technik zu lernen,

sondern es gerade so machen wollen, zugleich mit aller Bizarrerie, welche

diesem Volke eigen ist? Das ist eine andere Frage. Die Berliner haben

es gethan; sie haben reine Imitationen, Copien japanischer Metallarbeiten,

nach Nürnberg gebracht, aber diese Berliner Nachahmungen entbehren

genau alle diejenigen Vorzüge, welche wir an den Originalen schätzen.

Besser sind französische Copien, wie wir deren auch einige im

Oesterr. Museum besitzen, aber auch sie halten neben den Originalen

nicht aus, für welche sie ein Ersatz sein sollen. Diese Arbeiten sind aber

Ausnahmen in der französischen Metall- und Emailkunst. Die Regel ist

- und hier steht Christofle mit seiner großen und glänzenden Ausstellung

 in Antwerpen obenan - dass die Franzosen von den Japanern

ihre technischen Vorzüge lernen, ihre verschiedenen patinirten Metalltöne,

 ihre Relieftauschirungen von Silber und Gold in Stahl und Bronze,

die coloristische Eigenthümlichkeit der japanischen und chinesischen

Emails, und diese gewissermaßen in's Europäische und Französische übertragen.

 Es sind moderne europäische Gebrauchsgegenstände, welche sie

damit verzieren, insbesondere Beleuchtungsgeräthe und Jardiuieren, Gebrauchsgegenstände

 allerdings von sehr kostbarer Art, und wie sie die

Formen solcher Gefäße und Geräthe, der Bestimmung gemäß, modern

halten, so ist auch die Zeichnung der Ornamente und sonstiger Verzierung

 europäisch. Es ist also, und das ist das Richtige, mit Hilfe

dessen, was an japanischer und chinesischer Arbeit gelernt worden, ein

neues, ein europäisches Kunstgenre geschahen worden.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.