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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 242)

Papyrus Erzherzog Rainer.

Die weitere Durchforschung dieser Sammlung hat seit unserem letzten

Berichte wieder eine Fülle wichtiger Ergebnisse in literarischer und antiquarischer

 Beziehung auf dem Gesammtgebiete des elfsprachigen Urkundenmaterials

 zu Tage gefördert. S0 wurden circa 200 Verse aus einer

Hesiod-Handschrift aufgefunden, welche die bisher bekannten Codices

an Alter bei Weitem übertrifft. Sie gehören den beiden Schriften "Werke

und Tagen und vSchild des Heraklesu an, die den um 800 vor Chr.

lebenden Dichter neben Homer als den glänzendsten Vertreter griechischer

Dichtkunst erscheinen lassen. Ein Fragment einer Uncial-Handschrift des

Heldengedichtes wArgonautica-i von Apollonius Rhodius (um 240

vor Chr.) ist insoferne von Bedeutung, als es in erwünschter Weise die

Autorität einer wichtigen Florentiner Handschrift erhöht. Mit einem

Fragment der homerischen wOdysseeu aus dem zweiten Jahrhundert

liegt der bisher erste und einzige Fund einer Papyrusrolle vor, welche die

Odyssee enthielt, während bislang nur die v-lliasu enthaltende Homer-Rollen

 bekannt sind, wofür auch die erzherzogliche Sammlung zu dem

i., 2., 9. und 17. Buch die Belege bietet.

Zu den Privaturkunden sind wieder zahlreiche, zumeist vortrefflich

erhaltene Exemplare aus den Regierungsjahren der Kaiser Trajan, Hadrian,

Antoninus Pius und Marc Aurel hinzugekommen, durch welche uns

interessante Einblicke in das Leben jener Epoche eröffnet werden.

Wichtig ist aber, wegen ihrer Datirung, eine vorzüglich erhaltene Urkunde,

 die unter der ephemeren Regierung der Nebenkaiser Macrianus

und Quietus (J. 261) ausgestellt wurde. Man muss mit Recht staunen

über die Reichhaltigkeit des erzherzoglichen Papyrus-Archivs, das uns so

unerwartet derlei historische Raritäten erschließt, denn merkwürdig zu

nennen ist in der That noch eine neu aufgefundene Urkunde aus der

Zeit der Gesammtherrschaft der Kaiser und Cäsaren Pupienus, Balbinus

und Gordian des Jüngeren.

Auf koptischem Schriftgebiete fanden sich umfangreiche Fragmente

 einer I-lomilie des berühmten Kirchenvaters Johannes Chrysostomus

(1- 407) über wBuße und Enthaltsamkeit: in saidischem Dialecte. Ein

prächtig geschriebener großer Erlass des im Range eines Finanzministers

von Aegypten zu denkenden arabischen Steuerdirectors Raschid (8. Jahrh.),

dessen Insiegel aus Thon noch vollständig erhalten ist, enthält Vorschriften

 über die Abfassung der Steuerlisten anlässlich des Beginnes

einer neuen lndiction. Es ist dies das erste amtliche Actenstück der

Sammlung, welches, in koptischer Schrift und Sprache abgefasst, einen

hochinteressanten Beitrag zur Sprachenfrage im Chalifenreich, vor der

centralisirenden Staatsreforrn, bietet.

Unter den hebräischen Papyri nimmt nunmehr ein großer, in

Quadratlettern geschriebener arabischer Brief aus dem Beginn des 9. Jahr-
            
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