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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 242)

es ist dieser Art genug geschrieben und gelesen worden. Zu einzelnen

besonderen Wahrnehmungen und Beobachtungen, welche bevorzugten

Erscheinungen gelten, mag indessen auch dem späten Besucher noch ein

wenig Raum und Antheil gegönnt sein. Das ist überhaupt der Charakter

jener beiden Ausstellungen. Jene von Antwerpen nennt sich eine internationale,

 universale und bietet von diesem Standpunkte aus der Lücken

so viele, dass sich das Interesse einzelnen Ländern oder einzelnen Erscheinungen

 der Industrie zuwendet; diejenige von Nürnberg aber hat

sich von vornherein nur als Specialausstellung angekündigt und ist als

solche geblieben. Sie wollte ja nur Edelmetalle, einschließlich der Bronzen

und ihrer verwandten Legirungen, zur Darstellung bringen und ist wenig

darüber hinausgegangen.

Fassen wir die Antwerpener Ausstellung vom Standpunkte der

Einzelerscheinungen in's Auge, so tritt die berühmte Fabrik von Sevres

oder vielmehr die Abtheilung der französischen Staatsfabriken in die

erste Linie. Während England, Deutschland, Amerika die Antwerpener

Ausstellung vernachlässigt haben, hat gerade Frankreich einen Werth

darauf gelegt, hier groß, bedeutend und würdig mit allen Vorzügen

seiner Industrie zu erscheinen. Frankreich kämpft nunmehr auch auf

diesem Gebiete um seinen alten Ruhm und Vorrang; seine Herrschaft

ist bestritten, sein Stern im Niedergehen -- wenigstens glaubt man so,

und die Statistik liefert die Ziffern für diesen Glauben. Umsomehr war

Regierung und Nation daran gelegen, zu zeigen, dass die Industrie noch

auf der alten Höhe steht, dass sie auf dem Gebiete der Kunst noch

immer den seit zwei Jahrhunderten behaupteten Vorrang besitzt. Und

Wahrlich, wenn man ruhig beobachtet und unparteiisch den Vergleich

zieht, so muss man zugestehen, dass, so viel auch in den anderen Ländern

erstrebt und gearbeitet worden, doch keine Hand noch hinaufreicht, die

Palme zu erfassen, welche Frankreich hoch in Händen hält. Man kann

sich sagen, dass die Differenz zwischen Frankreich und den anderen

Nationen sich verringert und ganz bedeutend sich verringert hat, dass

der Abgrund, welcher auf dem Gebiete des Geschmackes zwischen ihnen

gähnte, sich auszufüllen begonnen hat, aber ein Unterschied ist noch

immer vorhanden und wird noch so lange vorhanden sein, als der Glaube

an Frankreichs Unfehlbarkeit dauert und ihm den weiten, bei uns nur

zu sehr vermissten Absatz seiner Kunstarbeiten sichert. Und Frankreich

weiß das heute, und wie es sich Mühe gegeben hat, auf dieser Ausstellung

 bedeutend und überlegen zu erscheinen, so arbeitet und müht

es sich fortwährend mit der Besserung der Gegenstände und mit der

Erfindung des Neuen und Ueberraschenden.

Einen Beweis merkwürdiger Art liefert die Ausstellung von Sevres.

Die französische Regierung hat für ihre Staatsfabriken sich einen

eigenen, gesonderten, ebenso vornehm wie modest eingerichteten Salon

geschaffen, der nur durch Bogenötfnuugen den Blick in die weiten Hallen
            
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