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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 7)

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datiren die ersten genealogischen Kalender. Auf das Gebiet der Kunstgeschichte führen

uns Titel wie Lebrun's Almanach raisonne des artistes peintres et sculpteurs 1774. oder

PAImanach des Monnaies 1785 , in welchem die Stempel der Pariser Goldschmiede facsimilirt

 sind. Der dauernde künstlerische Werth dieser Bücher ist durch die Namen der

Meister garantirt, welche dieselben illustrirten: Coehin, Eisen, Gravelot, Dorgez, Moreau

le jeune, Queverdo etc. Heutzutage erscheinen in Frankreich etwa 250 Almanache, aber

kein einziger derselben kann dem vAlmanach iconologiqueu von 1768 oder dem nAlmanach

de la loterie de Vecole royale militaire- von 1750 mit 90 reizenden Stichen von Gravelot

an die Seite gesetzt werden.

Im fünften Abschnitte behandelt Champier die großen historischen und Kupferstichkalender.

 Das sind also die Einblattkalender, mit Verzicht auf belletristische Zugabe

blos die Mnnats- und Tagebezeichnung enthaltend, aber in reichster künstlerischer Umrahmung,

 in welcher ein halbes Dutzend Verleger und Meister wie Mich. Lasne, Jacques

de Fornazeris, Crispin de Passe, Abraham Bosse, Larmessin, Cochin pere, Regnesson,

Langlois u. s. w. sich zu übertreffen suchten. Solche Blätter waren unter Ludwig XIV.

beliebter Zimmerschmuck und mussten erst nach öoiahriger unumschrankter Herrschaft

weichen, als der Salon durch das Boudoir verdrängt ward, welches so großen Kalendern

in Thesenformat von 90 : 55 Ctm. keinen Raum mehr gönnte. Von 1640 -- 1740 jedoch

erschienen etwa iooo solcher Bildkalender mit den mannigfachsten Darstellungen, die sich

im Ganzen in vier Classen zusammenfassen lassen: Sittenbilder, satirische Bilder, solche

mit historischem Interesse und solche, welche sich direct auf die Person des Königs

beziehen. Zu den pikantesten gehören jene der ersten Classe mit dem kleinen Kriege

gegen coquette und schlechte Frauen. Mode- und Costümbilder in reichster Zahl, Schauspiele,

 Unterhaltungen am künigl. Hofe, Caroussels, Feuerwerke, Empfange von Gesandten,

Kriegsbilder, Allegorien zum Preise des großen Königs, Volltsscenen, Zeitereignisse wie

die finanzielle Krise von t662, oder der furchtbare Winter von 170g, in welchem Theater

und Parlament geschlossen blieben u. s. w., all dies macht das Studium jener Kalenderbilder

 zu einem allseitig in culturgeschichtlicher, politischer und kunsthistorischer Beziehung

interessanten und Champier weiß dies auf S4 Folioseiten seines Werkes in geistvoller

Weise zu schildern. Ueberdies sind außer den bereits erwähnten 50 treßlichen Reproductionen

 der am meisten charakteristischen Kalenderbilder kleinere Darstellungen noch viele

fach als Vignetten und Culs de lampes zur Ausschmucltung des Textes verwendet.

Schließlich ist anzuführen, dass sich an die skizzirte Schilderung noch ein ausgezeichnet

 gearbeiteter Catalogue raisonne von nicht weniger als 775 Almanachs illustres

anreiht, und zuletzt ein Register über 130 bei lllustration derselben beschäftigten Künstler,

darunter auch deutsche und englische Namen. Nach alledem können wir es wohl aussprechen,

 dass die franzosischen Almanachs in Champiec einen Bibliographen gefunden

haben, welcher uneingeschränkter Anerkennung versichert sein darf. E. Ch.

41'

Histoire de la verrerie et de Pemaillerie. Par Edouard Garnier. Tours,

Alfred Marne et ftls, 1886. gr. 8". Mit 8 Tafeln und zahlreichen

Original-Illustrationen im Text.

Des Verfassers wHistoire de la ceramique- findet eine willkommene Ergänzung in

dem vorliegenden Werke, welches die Schwesterkünste der Keramik, die in gleichem

Maße wie diese selbst der Anwendung des Feuers bedürfen, die Glas- und Emailtechnik,

rucksichtlich ihrer historischen Entwickelung behandelt.

Bei dem Umstande, dass das Bemühen des Verfassers hauptsächlich darauf gerichtet

war, alle ihm zu Gebote stehenden positiven Forschungsresultate so umfassend und

gewissenhaft als möglich zu verzeichnen, weniger gekannte Gebiete aber nur entsprechend

kurz zu behandeln, ist es von selbst erklarlich, dass die Vorführung des weitverzweigten

Materials eine gewisse Ungleichmaßigkeit zeigen musste. Dass sich der Verfasser durch

diesen Umstand nicht beirren ließ, kommt dem YVerke entschieden zu gute. Mit besonderer

Liebe und am vollständigsten ist der die Glasindustrie behandelnde Theil durchgearbeitet

und außerdem durch eine große Anzahl guter Abbildungen nach glücklich gewählten

Obiecten trefflich unterstützt. Das von den Verhältnissen der nadeligen Glasmachert

handelnde Capitel bat an anderer Stelle in diesen Blättern schon YVürdigung gefunden.

Bringt das Werk bezüglich der Glasfabrication manches Neue und Klarende, so

werden in dern die Emailarbeiten behandelnden Theile kaum viel neue Ergebnisse zu

Tage gefördert. Zu bedauern ist der Umstand, dass der Verfasser die orientalischen,

insbesondere die ostasiatischen Emailkünste nur kurz berührt, die Entwickelung der

Kunst der Japaner auf diesem Gebiete aber nur bis etwa zur Zeit der letzten Pariser
            
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