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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 8)

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tige Errathen des receptiven Geschmackes, für den er arbeiten will. - Der dritte Vortrag

war der Darstellung concreter Verhältnisse gewidmet; an der Hand der charakteristischesten

 statistischen Daten zeigte der Vortragende, welchen Aufschwung Production,

Consumtion und Verkehr durch die steigende Genussfahigkeit der Menschen genommen

haben. im Anschlusse daran wies er darauf hin, wie sich im Verlaufe des letzten Jahrzehnies

 die internationalen Verhältnisse in dieser Beziehung geändert haben, und wie

namentlich Frankreich durch die mit zielbewusster Thätigkeit hervorgehrachte Hebung

des productiven Geschmackes an Superioriiät und daher auch an Gewinnrealisirung verloren

 habe. Die Handelsausweise zeigen einen stetigen Rückgang des französischen Exportes

 in den wichtigsten Artikeln der Geschmacksindustrie und dagegen eine Erhöhung

der Exportzitfern von England, Deutschland. Oesterreich-Ungarn und Italien; es ergibt

sich sonach, dass diese Länder einen Theil des ungeheuren Vorsprunges, welchen Frankreich

 auf der ersten Londoner Weltausstellung erkennen liell, wettgemacht haben; in

Frankreich selbst fühlt man dies, wie mehrere neuere Publicationen zeigen, schmerzlich,

und ist bemüht Mittel und Wege zu finden, damit es seine alte Suprematie in seinem

vollen Umfange wieder erlange. Es ist wohl kaum zu erwarten, dass ihm dies völlig

gelingen werde, aber nichtsdestoweniger ist es unbedingt nothwendig, dass man auch in

den anderen Ländern, insbesondere in unserem Vaterlande. nicht erlahme auf dem Wege

fortzuschreiten, der bisher zu so guten Resultaten geführt.

Literatur - Bericht.

Plastische Anatomie des menschlichen Körpers. Von J. Kollmann.

Leipzig, Veith 8c Cornp, 1886. gr. 8". 564 S. Mit zahlreichen Abbild.

Trotz der reichen Fachliteratur, welche zum Zwecke des Studiums der Anatomie

des Menschen dem bildenden Künstler zu Gebote steht, findet doch jede weitere Erscheinung

 auf diesem Gebiete ein so lebhaftes Interesse, als handelte es sich um die

Vorführung einer ganz neuen Disciplin, um die Aufdeckung bisher ungekannter Wahrheiten.

 ln der That geht ein großer Theil der Beflissenen des Kunststudiums an die

Benutzung jedes neu erscheinenden anatomischen Lehrbuches mit dem mehr oder minder

ausgesprochenen Drange. Unzulänglichkeiten des Verständnisses des menschlichen Körpers,

der genauen Kenntniss der Formen und der Funetionen seiner Bewegungsorgane, mit

Hilfe des Gebotenem zu beheben. Nicht geringer aber mag auch die Anzahl derer sein,

welchen die kurzgefasstesten Abrisse der nAnatomie für Künstler: noch nicht compendios

genug erscheinen; welche noch immer mit Sehnsucht auf das Erscheinen eines Büchleins

warten, welches, womöglich rohne viel Textc, ihnen genaue Aufklarung über das letzte

und beste der Schopfungswunder gibt. Die Desiderata machen sich demnach in zwei

entgegengesetzten Richtungen bemerkbar: Man fordert mehr als bis jetzt existirt, oder

man will weniger als zumeist geboten wird.

Unzweifelhaft war es nicht die Absicht des Verfassers, den Stoß seines Handbuches

nach einer dieser Richtungen hin besonders zu bearbeiten. Dessenungeachtet bringt

sein Werk manches sonst in der einschlägigen Literatur nicht naher Beruhrte und stellt

das bisher allgemein Bekannte in einer Form vor Augen, welche an Einfachheit und

Klarheit nichts zu wünschen übrig lasst. Die Zuthaten neuartigen lnhalts bringen entweder

 allgemeine Schilderungen der Zustande des menschlichen Körpers unter dem

Einßusse bestimmter Verhältnisse, für den Künstler direct verwerthbar und also mit der

plastischen Anatomie in innigem Znsammenhange (wie z. B. im Abschnitte: Der Tod

in seiner Wirkung auf die Form des Thorax) oder auch physiologische, etymologische

oder historische Reminiscenzen, welche der Verfasser nach seinen eigenen Worten in

den Text gemischt hat, um das unvermeidliche Einerlei der anatomischen Beschreibungen

dem Leser etwas angenehm zu machen. Auch bezüglich der Nomenclatur gibt sich das

Bestreben des Verfassers zu erkennen, unbequeme Bezeichnungen durch solche der

gebräuchlichsten Synonymen zu ersetzen, welche, mundgerechter oder einfacher, dem

Leser insbesondere bei Wiederholungen nicht langweilig werden. (Z. B. Os vespiforme

für Os cuneiforrne oder sphennideum, oder Musc. nutalor für M. sternocleidomastoideus

u. s. w. Das Buch enthalt 18a vortreffliche Holzschnitt-lllustrationen, deren eigentliche

Anzahl sich jedoch als eine geringere ergibt, indem sich, offenbar zur bequemeren

Benutzung, einige der Abbildungen auf verschiedenen Seiten wiederholen. M-t.

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