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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 8)

1.36

welchem Jesus Christus das heil. Abendmahl eingesetzt hat, geblieben,

der Unterbau aber ist ein Grab geworden. Eine weite Perspective thnt

sich uns nun auf: so wäre denn der ganze Unterbau des Altars, soweit

er Grabesform hat, der erste Gegenstand, den ich zu behandeln hätte.

lcl1 kann nur skizziren, soll ich den mir gegönnten Raum nicht weit

überschreiten. Der Allarunterbau war in alten Zeiten sehr einfach, wohl

ganz schlicht aus Quadern oder Ziegeln aufgebaut '), manchmal aus zwei

senkrechten Platten als Stütze und einer horizontalen Platte als Tisch,

oder aber eine auf vier oder fünf Füßen ruhende Platte: nie aber durften

die Reliquien fehlen, manchmal waren sie sogar in die Füße eingelassen.

War aber der Unterbau so schlicht und einfach, so waren doch

schon im frühen Mittelalter die Künste bemüht, die senkrechten Flächen

würdig zu schmücken und sei es nur mit Säulchen, Bogenstellungen aus

dem Steine selbst, wie sie auf den alten Sarkophagen gewesen waren.

Früh schon ist die Goldschmiedkunst an diesen Schmuck herangetreten:

hatte sie ja doch schon in den ältesten Basiliken Roms die Wände, die

dem Altare zunächst waren, ja die Säulen und das Pflaster des zum

Heiligthume führenden Ganges mit Edelmetall und musivischer Kunst

geschmückt. Dementsprechend wurden vor die kahlen Wände des Altarunterbaues

 werthvolle silberne, ja goldene Vorsetztafeln, Antependien

gestellt. Freilich sind uns nur wenige dieser Werke erhalten geblieben;

ich erwähne das berühmte Basler-Antependium, das Aachener, das im

Schatze von Monza und von S. Marco in Venedig.

Wären die mittelalterlichen Schätze von S. Pietro im Vatican nicht

längst- theilweise schon von Benvenuto Cellini - fast alle eingeschmolzen

 worden, wir würden wohl auch in ihrer Weise ausgezeichnete

 Antependien in jenem Schatze haben, denn die von Müntz herausgegebenen

 Inventare von 1361, 1440 bis 148g erwähnen Antependien,

einige darunter aus Gold, auch mit ganzen Heiligenliguren in Email

verziert. - Aus ltaliens Frührenaissance stammt das Antependium am

Jacobsaltare im Dome zu Pistoja, dessen Mitteltafel von Andrea di Jacopo

d'Ognabene, der linke Flügel von Pierro aus Florenz 1357, der rechte

1366-1371 von Lionardi di Sergiovanni gearbeitet sind. Ich erwähne

sie besonders, weil sie zum Besten gehören, das die jeweilige Zeit zu

leisten im Stande war. Sie dürften, nach dem Urtheile der Kunstkenner,

nur wenig hinter der Bronzethür Andrea Pisands am Battisterio zu

Florenz zurücksteheti.

Auf sehr kunstreiche Weise schmückte auch der Mosaicist mit Decorationcn

 aus farbigen, oft sehr werthvollen zusammengefügten Steinen

und Glasschmelz die Altarllächen, und solche Zier sagte dem den Farben-')

 Ich führe statt vieler Beispiele nur den sehr alten Altar im Kreuzgange zu

Regensburg und den sehr alterthümlichen Altar der Gnadencapelle von Loretto in ltalien

an, dessen Quaderbau ich, nach Entfernung der Altarvorsetztafel, zu untersuchen in der

Lage war.
            
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