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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 10)

Wiederherstellung der kostbaren Schätze zugewendet, welche uns aus der Vergangenheit

auf diesem Gebiete erhalten, jedoch durch die schlechte Conservirungsweise großtentheils

in den traurigsten Zustand versetzt sind. Er wurde zu diesem Behufe an fremde Hofe

berufen, das hervorragendste aber wirkte er im Museo Vaticano. Die Brochure verzeichnet

lange Lobsprüehe und Zeugnisse, welche über Gentili's Verfahren von Prof. Dav. Farabulini,

 von A. Darcel, von Prof. Lacordaire ausgestellt wurden. - Nach diesen Vorbemerkungen

 kommt der Verfasser auf sein eigentliches Thema, die Verderbnisse der

Arazzi und ihre Herstellung zu reden.

Die Ursachen der Zerstörung sieht Gentili in den Motten, im Staube und in der

Wirkung der Farbbeizen, gleichviel aus welchem Materiale das Gewebe bestehe und ob

es Metallfäden enthalte oder nicht. Er wendet sich zunächst gegen diejenigen, welche

die Restaurirung eines auf solche Weise beschädigten Gobelins überhaupt perhorresciren.

Das sei schon aus dem Grunde unerlässlich, weil ohne eine Neuherstellung die Schäden

immer ärger werden. Aber es wehren sich Einige gegen die Restaurirung, weil dadurch

der antiquarische und artistische Werth der Objecte verliere. Andere, welchen der

Staub die alleinige Ursache aller Beschädigungen, auch jener durch Motten, scheine,

verlangen blos eine Aufbewahrungsweise unter hermetischem Verschlüsse, dann könne

nichts weiter mehr geschehen. Noch Andere sind dafür, die Rückseite des Teppiches

mit einem Futter zu versehen, wodurch die Ausfaserungen an den Löchern gedeckt

werden, und durch Beschmieren mit chemischen Substanzen die Vermehrung der Motten

zu verhüten. Wieder Andere wollen alle diese Methoden zusammen anwenden und die

so behandelten Arazzi hinter Glaswänden verwahren. Alle jene Verfahrungsweisen aber

bergen in sich die größten Gefahren für die Kunstwerke.

Gentile erblickt das einzig richtige Mittel zur Conservirung lediglich im Waschen

und Restauriren des Gewebes, aber es müssen wahre Künstler sein, denen man eine

solche Arbeit anvertraut. Die erste Unternehmung ist das Waschen mit Präparaten,

welche zwar unschädlich sind für die Erhaltung der Farben, aber geeignet, die eingenisteten

 Insecten zu vernichten. Hiedurch gewannen die Gobelins nicht blos die ursprüngliche

 Frische des Colorites, sondern verloren auch jene Rauheit, welche den Teppich

so sehr schädigt. Aber auch die Zersetzung der Beizstotfe, welche in Krystallisation

übergehen, wenn Feuchtigkeit eingewirkt hat und so die Flockseide angreift, hört

aus dem Waschen auf und der zwischen den Faden angesammelte Staub verschwindet.

Gold und Silber erhält den vorigen Glanz und die alte Biegsamkeit wieder. Nach

dem Waschen habe aber das Ergänzen zu folgen. Auch hier nimmt der Autor den

Kampf mit den Widersachern seiner Maxime auf, indem er auf die Einwendung, dass

bei verlorenen Conturen, wo Löcher gerissen sind u. dgl., die alten Linien dnch nicht

erkennbar waren, bemerkt, das sei die Sache eben des Artista arazziero, der sowohl die

verschwundenen Formen als Farben wiederzufinden verstehe, aber es müsse das eben

con arte geschehen. Mit Worten lasse sich der Beweis nicht führen, vor einem beschädigten

 Stücke jedoch wäre es keine so große Schwierigkeit.

Der Arazziero vereinigt also zunächst die Ränder der offenen Stelle und zeichnet

darauf das Fehlende, indem er mit größter Gewissenhaftigkeit mit Hilfe der Spuren

in den angrenzenden Partien die ursprünglichen Linien herzustellen sucht. Darauf geht

es an das Nachwehen der fehlenden Stelle mit hellerer Wolle, welche die Harmonie der

verblichenen alten Faden nicht stort. Dann sei die restaurirte Stelle von dem Uebrigen

nicht zu unterscheiden.

Wir haben der Schrift des Cavaliere Gentili etwas umständlicher gedacht und ihren

hauptsächlichsten Inhalt etwas genauer mitgetheilt, erstens weil dieselbe von mehreren

Seiten mit starkem Aecent hervorgehoben wurde und zweitens, weil Arbeiten über

dieses wichtige Fach der Kunstindustrie selten an den Tag kommen. Wir müssen jedoch

gestehen, dass uns die Brochure auf das hin enttäuscht hat. Sie strotzt in endlosen

Wiederholungen von steter Versicherung über das alleinig Vortreffliche des Verfahrens

und wird nicht müde, in banalen Redensarten von der Wichtigkeit einer pietatvollen

künstlerischen Obsorge für jene großartigen Schätze zu schwärmen, aber der Kern des

Gebotenen, die Hauptsache, welche das richtige Verfahren klarlegen soll, überzeugt uus

nicht. Was der Verfasser über die Ursachen der Zerstörung mittheilt, ist ganz richtig

und sehr deutlich dargelegt, auch seinen Argumenten gegen die bisherigen Mittel der

Conservirung pflichten wir bei, nur, was seine eigene Methode betritft, reichen die angegebenen

 Maßnahmen nicht zu, um dieselbe unbedingt für die einzig glückliche zu

erkennen. Und zwar deshalb, weil sie aus seinen Worten eben nicht zu erkennen

sind. Denn, welche Mittel gibt er an? Erstens das Waschen, zweitens die Restaurirung

durch Neuweben der fehlenden Theile. Er spricht von preparati innocui, durch welche

die Farben wieder aufleben, die bösen Motten dagegen sterben; was für Wundermittel

von so doppelter Wirkung das seien, übergeht er aber mit Stillschweigen. Da den

Verfasser il solo amore per la nostra arte bewegt, so konnte ihn wohl nicht etwa ein
            
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