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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 10)

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verschwinden ließ? Hier habe ich der Ausführung meines Gedankenganges

 eigentlich vor-gegriffen; der erwähnte Wagen sammt seinem Insassen

und dessen Auge bewegte sich ja, der Lattenzaun aber stand fest, im

Gegensatze zu dem, was vorher angenommen wurde. An dem Ergebnisse

 jedoch wurde dadurch nicht das Geringste geändert. In allen Fällen,

wo das Sehfeld durch plötzlich wechselnde Flächen verschiedener Helligkeit

 erregt wird, ist die dadurch hervorgerufene Emplindung eine unangenehme.

 Dem sucht das Auge instinctiv auszuweichen. Der Blick wird

es vermeiden, eine Richtung einzuschlagen, welche auf kürzestem Wege

die Grenze zwischen einer helleren und einer dunkleren Fläche überschreiten

 kann.

Das Auge wird, ohne dass sich das Individuum dessen bewusst zu

sein braucht, vorzugsweise diese Grenze selbst, die Linie verfolgen, so

dass dieselbe in ihren Theilen nacheinander allmälig wahrgenommen

werden kann. In diesem Falle kann das Auge bei entsprechend

langen geraden oder regelmäßig gekrümmten Linien mehr

oder minder große Bewegungen ausführen, ohne dass das

Bild auf der Netzhaut eine rasche Veränderung zu erfahren

braucht.

Die Linie wird auf diese Weise in Wahrheit für das Auge zur

Führungslinie. Längs einer solchen Linie gleitet der Blick wie etwa

das Centrum einer Kugel sich weiter bewegt, welche in einer entsprechend

gelagerten Rinne dahinrollt.

Nun dieser Vergleich einmal ausgesprochen, will ich es versuchen,

ihn noch weiter zu benützen.

Die unter gewissen Umständen in der sanft abfallenden Rinne mit Beschleunigung

 sich bewegende Kugel kann durch entsprechende, absichtlich

angebrachte Hindernisse von geeigneter Art zu langsamerem Laufe gezwungen

 werden, um ihr schrotfes Anprallen am Ende der Bahn zu

verhüten.

Der Blick des Auges, welcher seine ihm vorgezeichnete Bahn, die

Linie, mit Beharrlichkeit verfolgt, kann hiebei in perpendiculärer Richtung

 auf eine zweite Linie stoßen, welche den Verlauf der erstgenannten

hart unterbricht. Solche dem Auge unangenehme Unterbrechungen der

führenden Bahnen würden beispielsweise vorhanden sein, wenn eine Säule

ohne Capitäl, von einem gewissen Standpunkte aus betrachtet, hart und

unvermittelt den Blick an den von ihr getragenen Architrav führte; dieses

plätzlicbe Aufhalten des Blickes wäre wohl mit einem Anprallen vergleichbar,

 und würde, im Falle die angeführte Säule mit Canellirungen

versehen wäre, durch solche noch in verstärktem Maße zur Empfindung

gebracht werden.

Die Canellirungen wirken als ein Parallelsystem von Linien mit

vervielfältigter Macht bestimmend auf die Bewegung des Auges, mit

welcher es beim Betrachten der Säule, dem vZugeu derselben, wie ein
            
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