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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 3)

In St. Pölten war der Künstler ansässig und zwar wie aus Allem hervorgeht,

 als wohlhabender Mann. Seine Tochter Anna trat in das Institut

der vEnglischen Fräuleinn, welches dort errichtet worden war, und noch

besitzt dieses Haus einen florentinischen Prachtschrank, der ein Geschenk

Gran's ist. Auch malte er für das Institut die Scene, wie seine Tochter

um Aufnahme in das geistliche Haus bittet. Jene Dame ist im Jahre 1802

in St. Pölten gestorben.

Endlich ist uns bekannt, dass im Jahre 1755, und zwar am 16. April

dieses Jahres Herr Daniel von Gran mit ganzem Conducte in der Kirchengruft

 des Domes beigesetzt wurde. Sein Grab ist heute leider nicht mehr

zu finden. Aus späteren Angaben wissen wir noch, dass die gestrenge

Frau Maria Anna von Gran, seine Frau, schon früher gestorben war,

später eine Verwandte, die Barbara genannt wird, und endlich jene Tochter

Anna, die ich schon erwähnt habe.

Ich schließe hiemit die Angaben über das Biographische, welche

allerdings vieler Details entbehren, die in meinen Notizen gesammelt

sind, aber doch schon die ausführlichsten und correctesten sind, die über

den Künstler in der Literatur bestehen.

Lassen Sie mich noch kurz ein Wort zur Charakterisirung der

Malweise des Künstlers sagen, damit ich begründen möge, warum ich

Sie um Ihre Aufmerksamkeit gebeten habe, einem Künstler gegenüber,

von dem bisher so wenig die Rede war. Ich muss mich da kurz fassen.

Daniel Gran ist als der bedeutendste Vertreter des österreichischen Barockfresco

 zu nennen. Vor Gran Enden wir das Fresco ungefähr seit dem

letzten Viertel des 17. Jahrhunderts überhaupt erst in Oesterreich angewendet,

 im großen Style wenigstens. Als die deutsche Renaissance, die

sich ja in Oesterreich überhaupt nicht sehr bedeutend entwickelt hatte,

in den Tagen Ferdinand III. in den Fünfziger und Sechziger Jahren

allmälig in den Barockstyl überging, da begann auch das Fresco hier

Boden zu fassen. Vor dieser Zeit finden wir nur die Decorationen kleiner

Wandpartien von Innenräumen in Fresco, aber äußerst selten noch ganze

Plafonds, Kuppeln und dergleichen, da ja die deutsche Renaissance, deren

Stylweise die Holzverkleidung der Wände bis hoch hinauf bevorzugt

hatte, dem Fresco nicht den nöthigen Raum ließ. Mit dem Herüberströmen

 von italienischen Künstlern hat dann eine neue Richtung Platz

gegriffen, der Styl des Stucco, allerdings noch nicht das feine Stucco des

späteren Rococo, sondern das schwere, derbe Stucco der Frühbarocke,

welches in gewaltigen Cartouchenformen die Wände, namentlich aber die

Deckengewölbe überzieht. Da tritt ein bedeutender Meister in Carpüferv

Tencala auf, der aus Mailand nach Oesterreich kommend, die ersten

größeren Decorationen in Fresco ausführte, der in seinen Werken, welche

in der hiesigen Dominikanerkirche zu sehen sind, gewissermaßen den

Boden für das Fresco hierzulande gewann. Aber noch ist es nicht das
            
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