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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 5)

Das Ciborium von Limoges dürfte überhaupt eines der ältesten sein;

es ist das ein größerer Kelch, fast wie der romanische Ministerialkelch,

nur nicht bestimmt zur Austheilung des Weines, sondern anzufüllen mit

Hostien für die nur mehr unter einer Gestalt communicirende Gemeinde.

Die Abänderung begann im iz. Jahrhunderte damit, dass die hl. Hostie

einfach nur in den hl. Wein eingetaucht, dann aber seit dem 13. Jahrhunderte

 der Kelch immer allgemeiner den Laien entzogen wurde.

Hiemit aber vollzog sich ein völliger Umsturz in den kirchlichen Gefäßen,

und dieses (12. Jahrhundert) dürfte auch die Zeit für den entschiedenen

Sieg der romanischen Kelchform über alle älteren antikisirenden Formen

sein. Nicht mehr in Elfenbein- oder Metallbüchsen, oder in Tauben,

welche Gefäße ehemals in den Wölbungen der Baldachine herabhingen

und um derentwillen der Baldachin rings mit Teppichen verhängt wurde,

sondern in zugedeckten Kelchen, die nur weniges größer waren als die

Messkelche, und die selbst eigentlich immer verdeckt werden sollen,

wurde das hl. Sacrament aufbewahrt. Anfangs war der Deckel nur die

Wiederholung der halbrunden Cuppa, dann aber wird er immer selbstständiger,

 namentlich in gothischer Zeit, da er zu ganzen Thurmbauten

sich gestaltet und also der Verhüllung immer energischer sich widersetzt.

Mit dem endlichen Siege der romanischen Kelchform macht sich das

Streben nach eleganterer Höhenentwickelung, ja auch ein gewisses, beschränktes

 plastisches Bedürfnis: geltend. Der Nodus stellt sich freier, löst

sich von den ihn beengenden Nachbarn, dem Fuße einerseits und der

Cuppa andererseits, los; es entwickelt sich ein eigener Ständer, in dessen

Mitte der schon früher sehr mannigfach gestaltete Nodus sitzt. Nun aber

kann auch der Kelch nicht nur mehr aus zwei Theilen bestehen, wie

Theophilus ihn gearbeitet hat, sondern es entstehen drei und mehr Theile,

die schließlich nicht mehr durch Löthung allein, sondern wie durch ein

eisernes, verborgenes Rückgrat zusammengehalten waren.

In der Zeit dieses Strebens der freien, zarteren Gestaltung der

Kelche sind wunderschöne, nachahmenswerthe Vorbilder entstanden; nur

selten ist schon damals des Guten zu viel geschehen, wie am Kelche des

hl. Bernhard zu Hildesheim, dessen Uebermaß an Filigran die Form

erdrückt, ja beinahe ihn unbrauchbar macht, wenn nicht für die Lippen

des Priesters ein kleiner Ausschnitt im Filigranwerk gelassen wäre.

England blieb bei der romanischen Form bis lange in die Renaissancezeit

 stehen; Italien aber eilte der Entwickelung des Kelches in

Deutschland vor; wenigstens ist der Kelch von Assisi ca. rzgo in Formen

gearbeitet, welche, falls überhaupt die Cuppa gleich alt ist mit dem Fuße,

den Beschauer geradezu verblüffß). Die entwickeltste Gothik, die übertriebene

 Parabelfotm an der- Cuppa, wie sie bei uns sehr spät auftritt,

treten an diesem Kelche zu Tage.

') Shnw, Dresses, 12.. Bd.
            
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