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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 5)

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gesprochen weltlicher Richtung, selbst wenn sie kirchlich sein wollten,

entstanden (ich erwähne nur die Arbeiten Jamnitzerß und Mantegna's

Kelch, radirt von Hollar 1643). Wie befreiend wirkte die neue-Richtung

auf die Kunst, aber kirchlich war sie nicht mehr. Viele Goldschmiede

freilich arbeiteten an der gothischen Schablone der Kelche fort, weit bis

in's 17. Jahrhundert herein. Die Wiener Goldschmiedarbeiten in Kelchen

blieben noch weit bis in's 16. Jahrhundert recht edel: Kelch von Mauerbach,

 jetzt Austerlitz in Mähren '). Hier war alles blos Gewerbstradition,

und bei den Anhängern der neuen Kunstrichtung war das Religiöse nur

äußerlich, nur anempfunden, die Zeit war der kirchlichen Richtung

abgeneigt, ja es haben sich von da bis in unsere Tage her Stimmen

erhalten, die kirchliche Kunst kennzeichne ein niederes Entwickelungsstadium.

 Es lohnt auch uns nicht die Mühe, diese späten Nachtriebe zu

verfolgen, das ist die Sache derjenigen, deren Beruf oder Vorliebe sie

auf diese für uns ziemlich unfruchtbaren Gefilde treibt. Von einer heutigen

kirchlichen Kunst, die im Kelche ihren specifischen Ausdruck fände, weiß

ich nichts zu erzählen; wir zehren am Gute der Ahnen und sind froh,

ihnen nachzuemphnden, aber gut ist es, zu betonen, dass unsere Vorbilder

 nur in jenen Kunstperioden zu finden sind, welche das Materiale

genau kannten und den Eigenschaften desselben verständig Rechnung

trugen, nicht Formen einer fremden Technik an ihren Werken nachahmten

 und die wie mit Naturnothwendigkeit die religiösen lcleen in

Gestalten umzusetzen sich bemühten.

Angelegenheiten des Oesterr. Museums und der mit

demselben verbundenen Institute.

(Ausstellung kirchlicher Kunst im Oesterr. Museum.) Se. M aiestät

 der Kaiser hat am 18. v. M. die Ausstellung mit Allerhöchst

Seinem Besuche beehrt. Der Monarch erschien Mittags l Uhr und wurde

vom Director Hofrath v. Falke, Vice-Director Bucher und den übrigen

Beamten des Museums empfangen und durch die Ausstellung geleitet. Der

Kaiser verweilte in derselben über anderthalb Stunden und besichtigte

ebenso eingehend und voll Interesse die alten Gegenstände wie die moderne

 Abtheilung, in welcher er die anwesenden Aussteller mit Ansprachen

beehtte. Nach Besichtigung der Ausstellung begab sich Se. Majestät in

das Atelier des Professors König, um daselbst das für Stuttgart bestimmte

Brunnenmodell in Augenschein zu nehmen.

- Se. kais. Hoheit der durchl. Herr Erzherzog Ludwig Victor

hat am 22. v. M. die Ausstellung mit einem Besuche beehrt.

- Der zur Ausgabe gelangte Nachtrag zum Katalog weist einen

Zuwachs von roo alten und neuen Gegenständen auf. ln den letzten

Tagen gelangte noch unter Anderem ein dem Grafen Hans Wilczek

') Wiener Vßlelxsusstellung Nr. 360;

y pag. bx.
            
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