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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 5)

Erreichte, wir sagen ndas Altvaterischek, hinauszukommen. Erst die zweite Generation

 erlebt dann wieder die Ehrenrettung der fentschwundenen Zeit. So stehen wir

heute mitten in der Bewegung, welche dem Rococo allenthalben zu seinem Rechte

verhilft, bei Liebhabern wie bei Gelehrten.

Zu den bezeichnendsten und liebenswürdigsten Werken des vorigen Jahrhunderts

gehören unstreitig die französischen Buntdrucke. Meister, wie Descourtis, Debucourt u. A.,

haben die Erfindung Le Blon's, Gemälde mit ihren Farben im Kupferstiche mittelst verschiedener

 Farbenplatten wiederzugeben, dahin fortgebildet, dass sie auf ahnliche Weise

gleichsam aquarellirte Zeichnungen mit allen ihren feinsten und zartesten Uebergängen

nachzuahmen suchten. Fast bei jedem dieser Künstler ist die Plattenbehandlung eine

andere, je nachdem Schabeisen, Rolleisen, Stachelradchen und Aetzwasser mehr oder

weniger in den Figuren oder dem Grunde hervortreten. Eine schwarze Kupferplatte

gibt die Umrisse und Formen, eine blaue, gelbe und rothe, in der genannten Reihenfolge

übereinander auf dasselbe Blatt gedruckt, fügen die Farben hinzu. Gewiss ist, dass der

Künstler auf den Kupferplatten selbst in den meisten Fallen mit dem Pinsel nachgeholfen

hat. Dennoch muss die Technik die größte Bewunderung erregen, wenn man die Eigenthümlichkeit

 des Papiers berücksichtigt, sich unter der Presse oft in ganz unglaublicher

Weise zu strecken. Man muß wohl annehmen, dass das Papier vor der Verwendung

einer Reihe von Proceduren unterworfen wurde, so dass es nicht erst während des

Druckens von Platte zu Platte seine Form veränderte.

Diese Blätter, welche in ihren frühen Zuständen heute mitunter höchst bedeutende

Preise erzielen, durch Vervielfältigung einem weiteren Kreise zugänglich zu machen, ist

ein ebenso dankbares als andererseits außerordentlich schwieriges Unternehmen. Handelt

es sich hier doch nicht nur um die mechanische Wiedergabe einer complicirten Technik,

sondern auch um eine künstlerische Nachahmung der köstlichen und zarten Färbung, in

welcher der Reiz der französischen Buntdrucke besteht. Die Nachbildung zerfallt daher

in einen rein mechanischen Theil' - durch die Duiardin'schen Heliogravuren vertreten -

über die dann als zweites Moment die Farbendrucke zu stehen kommen, welche Auge

und glückliche Hand, also künstlerische Befähigung voraussetzen. Für diesen Theil wurde

die chromolithographische Anstalt von Eudcs 6: Couty herangezogen. Die isochromatische

Heliogravure liegt heute noch sehr im Keime, auch für das vorliegende Werk ist sie

nicht zur Anwendung gekommen. Dadurch ist die nValeur- der Farben von Vorneherein

verändert worden. So ist in dem i-Menuet de la Marieeß der blaue Himmel heller

gekommen und die gelblichen Wolken sind in ihm spurlos verschwunden; die landschaftlichen

 Gründe, Blume mit ihren gelblichen Tonen sind dunkel geworden, haben

die Vertiefung in der Luftperspective verloren -- bei den reizenden Guinguettescenen

doppelt bedauerlich. In dem Stiche rLe Complimentu ist wieder der Inhalt des offenen

Schrankes links so dunkel ausgefallen, dass er auf der Glasplatte zugedeckt werden

musste u. s. w. Die beigegebenen Abdrücke blos in Sepia, von den zu Grunde liegenden

Heliogravuren genommen, lassen darüber keinen Zweifel aufkommen. Auch für die

farbige Ausführung bleibt so Manches zu wünschen übrig; sie ist sorglos, trilft selten

den richtigen Farbenton, sie ist auch karg, so dass gewöhnlich drei bis vier Platten zu

wenig genommen wurden, wodurch das Aussehen der Blätter ein recht ärmliches, von

den Originalen durchgehende verschiedenes geworden ist. Dazu kommt, dass die heliographischen

 Platten in den Figuren grob übergangen, die fertigen Blätter stellenweise

mit dem Pinsel nachgemalt sind, die meisten grünen Tone, das lebhafte Blau und Roth

der Figuren im Vordergrunde lassen sich ohne Mühe mit Wasser entfernen. Als die

bestgelungenen Nachbildungen konnen in den vorliegenden neun Lieferungen die von

L. Ph. Debucourfs rCOmpliment-l, obwohl hier die gelbe uud rothe Farbenplatte ganz

ausgefallen sind, ferner vLe Bainl von N. F. Regnault und -La Rixe- von Descourtis

bezeichnet werden.

Berlin. P,

i!

Der Metallschmuck in der Mustersamrnlung des Bayrischen Gewerbemuseums

 zu Nürnberg. Mit Einleitung und Erklärung der Abbildungen

von Dr. J. Stockbauer. Herausgegeben vom Bayrischen Gewerbemuseum.

 Nürnberg, 1887. LCL-So. 38 S. u. XVI Tafeln.

Diese Schrift ist ebenso auf Goldschmiede und Juweliere wie auf das kaufende

Publicum berechnet und sehr geeignet, beiden Kreisen gute Dienste zu leisten. Sie zeigt

in großen Zügen die Entwickelung des Schmucltes bei den verschiedenen Völkern und

die aus der Technik und aus der Bestimmung sich ergebenden ästhetischen Bedingungen,

und knüpft daran eine Erläuterung der zahlreichen (mehr als hundert) Abbildungen.

Diese letzteren bilden naturgemäß den Schwerpunkt der Publication. Sie sind sehr sorgfaltig

 ausgeführt, je nach der Art der Gegenstände in den verschiedenen Manieren des
            
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