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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 5)

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nischen Schriftarten: Die Kapital- und Uncialschrift, dann die gewöhnliche

 Schreibschrift, Cancellaresca genannt, mit ihren vielen Abarten, als:

lettera antica, moderna, cursiva, formata, Commune, trattizata, spagnola,

die Schrift der Notarien, notaresca, und die der Kaufleute, mercantile.

Zu den Schriften mit mehr gothischem Gepräge zählen dann die lettera

bollatica, die cortigiani, die imperiale, eine Diplomenschrift mit langgestreckten,

 verschnörkelten Anfangsbuchstaben, die rognosa, eine nicht

aus glatten und festen, sondern wie mit zitternder Hand gekritzelten

Strichen bestehende Schrift, die tagliata, in der Mitte durch einen weißen

Horizontalstrich unterbrochen, die mancina, verkehrt stehende, sogenannte

 Spiegelschrift, die lettera fiammenga und eine sehr schöne Fractur-Schrift,

 lettera francesca genannt. Die deutsche Currentschrift finden wir

in verschiedenen Größen und Formen vertreten, desgleichen einige hebräische

 und griechische Alphabete; auch das sogenannte nLabyrinthn, die

Verschlingung der Schriftzeilen zu einem sternförmigen Ornament, und

die Probe einer ohne Vergrösserungsglas kaum lesbaren vKleinschriftn

fehlen in dern Buche ebensowenig wie die aus vollständigen Personennamen

 gebildeten Monogramme.

Gaben die vorhin genannten Bücher italienischer und deutscher

Schreibmeister unserem Künstler im Allgemeinen die Anleitung für die

Form und Bildung der verschiedenen Schriftarten, so finden wir in dem

Werke auch ab und zu einzelne Blätter aus diesen Büchern gleich direct

copirt. So sind z. B. die auf Fol. 130-151 gezeichneten Constructionen

des römischen Kapital- und des gothischen Minuskel-Alphabetes aus De

Fanti's Buch herübergenommen; Fol. 103 (lettera imperiale) und Fol. 20

(lettera rognosa) sind Copien nach Fra Vespasiannfs Schreibbuch; Fol. go

(sechs aus vollständigen Personennamen gebildete Monogramme) und

Fol. 35 (das hebräische Alphabet) sind rnit allem ornarnentalen Beiwerk

nach Palatinds Werk ausgeführt. Die auch wörtlich genaue Uebernahme

eines besonders schönen und brauchbaren Schriftmusters aus einem Schreibbuche

 in das andere war übrigens, wie wir wissen, damals in der Literatur

der Schreibkunst gang und gäbe, bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts.

Das auf Fol. 118 in deutscher Fractur geschriebene vLabyrinthu,

ein im 16. Jahrhundert sehr beliebtes Kunststück der Schreiber, ist eine

Copie nach Wolfg. FuggeHs, nFormular Mancherley schöner schriefftenu

(Nürnberg, 1553). Der Text enthält die Weissagung des Zacharias (Luc.

l, 68) und am Ausgange des Labyrinthes wird uns Nachricht über die

Person des Schreibers, der sich in seinem Werke zu wiederholten Malen

und am ausführlichsten an dieser Stelle genannt hat. Die vollständige

Bezeichnung lautet: Georgius Bochkuy a Rugynia sacratissimi ac potentissimi

 Principis et domini domini Ferdinandi Romanorum [mperatoris

xemper Augusti ac Germanice, Hungariae, Bohenzae Dalmatie Croa. et

Sclavonie elc. Regis Scriba utq. Aulicus in perpetuam Artis scribendi

memoriam Viennae scripsit. Eine andere Bezeichnung, aufFol. 11g, lautet:

5 e
            
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