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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 8)

und wählerisch. Sie copirten sozusagen alles,was fürihren Zweck brauchbar,

vor und 'zu ihrer Zeit auf dem Gebiete der graphischen Künste publicirt

war: fast selbstverständlich Blätter von Schongauer, Cranach, Dürer

u. s. w., aber für unseren Fall kommen zuvörderst jene Blätter in Betracht,

welche nach italienischen Meistern gearbeitet sind, z. B. nach Jacopo de

Barbari, Domenico Campagnola, Mantegna, Pellegrino di S. Daniele,

Pollajuolo und Zoan Andrea. Da fanden sich Kämpfe von Reitern, nackten

Männern und Tritonen, Bacchusscenen mit Satyren und Amoretten,

Sphinxe, Harpyen, Delphine, die richtigen Grottcsken aller Art, Trophäen

mit Waffen, Füllhörner und eine Unzahl von Pilasterdecorationen im

Sinne der Frührenaissance mit Candelabern oder Vasen, aus denen

symmetrisch um einen Mittelstengel akanthusartige Blätter aufsteigen,

oder statt der Vasen Puttis, oder Männer- und Frauengestalten, die in

einen Fischleib oder wiederum in Blattwerk auslaufen, alles zusammen

ein wahrer Formenschatz, welchen die Hopfer Dank der lebhaften Verbindung

 von Augsburg mit Oberitalien ansammelten und zu eigenem

geschäftlichen und zu fremdem künstlerischen Nutzen in den Jahren von

1520-1536 durch ihre Radirungen veröffentlichten. Sie warfen jedoch

diese Reproductionen italienischer Ornamentik nicht ganz unverändert

auf den Markt; wie schlechte Uebersetzer thätig oder wie moderne

Zeichner oft die alten Originale glauben verbessern zu müssen, variirten

sie ihre Vorlagen manchmal recht sorglos und geschmacklos, dann aber

(seit etwa 1527) zeigten sie auch die Nutzamvendung jener Ornamente

in eigenen Entwürfen für Geräthe und Möbelstücke, für Monstrauzen.

Pocale, Waschbecken u. dgl. In diesen letzteren Schöpfungen erkennen

wir die Hopfer als rechte Söhne ihrer Zeit, die mitten in der Stromschnelle

 der Entwickelung stehend, selbst noch nicht die Objectivität und

geistige Kraft besaßen, sich ganz in die neue, italienische Formengebung,

welcher sie in ihren Radirungen als Apostel dienten, hinein- und aus

der heimischen mittelalterlich gothischen Weise herauszuarbeiten. Harmlos

mischen sie also in die Akanthusblätter das alle deutsche Distel- und

Flechtenornament, bringen Altarentwürfe mit renaissanceartigern Aufbau,

aber zu oberst mit gothischem Gestrüpp als Abschluss, und wenngleich

ihre Pocale eleganter und abwechslungsvoller sind als jene des Altdorfer,

so sind sie doch gleich diesen noch abhängig von der gothischen Form

mit Buckelung und Knauf. Da sind die 36 Blatt mit Vorlagen für Flaschen,

Pocale, Brochen und Medaillons, welche der früher erwähnte Hans Brosamer

 in seinem Kunstbüchlein ausdrücklich als Muster für Goldschmiede

veröffentlichte, bereits Erzeugnisse eines viel weiter vorgeschrittenen

Compromisses zwischen der italienischen und deutschen Art. Freilich ist

dabei zu bemerken, dass wir mit Brosamer's Kunstbüchlein in die Mitte

des Jahrhunderts angelangt sind, also in die Zeit, als sich die Vermischung

der deutschen und der italienischen Kunstweise bereits vollzogen und

aus der Gährung die sogenannte deutsche Renaissance bereits abgeklärt
            
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