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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 10)


Eine Nachwirkung dieser Gattung können Wir bei einem SIiYnSChmuCk

aus dem 4. Jahrhundert erkennen, der 1868 in der Krim im Grabe einer

Priesterin der eleusinischen Gottheiten gefunden wurde '). Derselbe

bedeckt die Stirn mit schuppenförmig aneinander gereihten Haarlöckchen,

die an beiden Seiten in längere Ausläufer endigen, welche längs der

Schläfen und Ohren herabfallen. Dieses förmliche Einrahmen des Gesichtes

 mit Goldschmuck haben wir ferner bei jenen großen Ohrgehängen

mit den Darstellungen der Thetis und der Athena Parthenos beobachtet.

Zu ersterem Schmucke gehört eine eigenartige goldene Hauptzier, bei

den Griechen Kalathos genannt, die aus einem breiten Goldreif besteht,

der sich nach oben zu korbartig erweitert. Den oberen Rand ziert ein

Eierstab, den unteren ein Mäander, während die Hauptfläche sechs in

Relief ausgeführte Gruppen skythischer Jünglinge zeigt, die mit Greifen

kämpfen. Mit solchem Hauptschmuck versehene Götter- und Menschenfiguren

 sind nicht selten, und auch ein zweiter goldener Kalathos fand

sich in einem südrussischen Grabe, nur waren hier die Figuren von dem

Hintergrunde abgefallen.

Haben wir schon bei diesem Hauptschmucke eine mehr mechanische

als künstlerische Verbindung mit dem Behange der Ohren zu constatiren,

 so fällt bei den anderen bekannten Stirnzierden diese Verbindung

gänzlich weg. Diademe solcher Art haben sich schon in Mykenä vorgefunden

 "), und zwar sind es mit Rosetten, Buckeln und Kügelchen in

getriebener Arbeit verzierte Goldstreifen, die mittelst eines Bandes am

Haupte befestigt waren. Ja, in einem Beispiele finden wir bereits das

Princip des nach oben in freien Endigungen auslaufenden Ornamentes

durchgeführt. Unter den Funden aus späterer Zeit erscheinen häufig

gerade, bandartige Stirnstreifen aus dünnem Goldblech, die in gestanzter

oder getriebener Arbeit Ornamente und figurale Darstellungen zeigen.

Nach aufwärts gerichtete Palmetten sind dabei ein ebenso beliebtes als

ausdrucksvolles Motiv. Jene aus plastischen Bildwerken und Vasenmalereien

 allbekannte Form zeigen zwei prächtige Diademe aus hellenistischer

 Zeit, von welchen das eine in Abydos, das andere am Golf

von Eläa gefunden wurde. Dieselben haben nach unten einen geraden

Abschluss, während der obere Rand gegen die Mitte zu aufsteigt und in

eine Spitze oder Palmette endigt. ln getriebener Arbeit sehen wir auf

dem einen Diadem Dionysos und Ariadne auf dem Blattkelch eines

Rankenwerkes sitzen, Thyrsusstäbe in den Händen und weiterhin zu

beiden Seiten vier musicirende weibliche Gestalten. Das andere Diadem

ziert ein Palmettenornament und zu beiden Seiten der Mittelpalmette

sitzen nach Außen gekehrt zwei geflügelte weibliche Wesen, brennende

Fackeln haltend m). Eines der schönsten Diademe besitzt der Louvre an

') Compte rendu 1869, T. 1, Fig. n.

") Schliemnnn, Mykeni, Nr. 282.

"') Conze, Goldschmuck kleinasiatischer Fundorte. Archüol. Ztg., 1885.
            
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