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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 1)

Engel, den Leichnam Christi stützend und mit urisäglichem Leid in

Antlitz und Haltung zum Himmel aufblickend. Schwer ruhen die edlen,

im Tod gelösten Glieder des Heilands auf den Armen der schlanken

Gestalt, die hilfesuchend und wie mit schmerzlicher Frage sich aufwärts

wendet, eine rührende Klage in jeder Geberde. Dieses Relief gehört zu

den besten und eindruckvollsten Theilen des Ganzen. Noch sei hervorgehoben,

 dass das Tabernakel durchgängig bemalt ist, vorherrschend in

Blau und Gold").

Wesentlich im schönsten Einklange mit dem Tabernakel steht der

dazu gehörige Altar, der, wie oben erwähnt, derselben Hand entstammt.

Er ist gleichfalls ganz aus Holz geschnitzt, von reicher, architektonischer

Gliederung, mit großer Nische, doppelter Säulenordnung, Composita-Capitälen,

 barocken Bogensegmenten und hat ohne Staffel, die Mensa

eingerechnet, eine Höhe von 7'4 Meter und eine Breite von 4'6 Meter.

Die Nische ist in ihrer jetzigen Gestalt die unverständige Arbeit späterer

Erneuerungssucht, welche ihr im Widerspruche mit dem Stile des ganzen

Werkes eine Umrahmung im Charakter der italienischen Renaissance

gegeben hat. Sie enthält jetzt eine bekleidete Muttergottes, von zweifelhaftem

 Kunstwerth, welche bei Gelegenheit der Umänderung der Nische

aus der Rumpelkammer der Pfarrkirche hervorgesucht und an diese Stelle

gesetzt wurde. Ursprünglich soll die Nische gleichfalls mit Putten bevölkert

 gewesen sein, glaubhafter ist es jedoch (und es wäre auch wirksamer

 gewesen), dass sich ein Altarblatt darin befunden hat. Ich halte

es nicht für unmöglich, dass das an dem gegenwärtigen Hochaltar angebrachte

 Gemälde a) ehedem an jener Stelle war; es dürfte von Giuseppe

Zanchi, dem Sohne des Antonio Zanchi von Este, herrühren, der in

der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Venedig thätig war, für

S. Paolo eine Scene aus dem Leben des heiligen Paulus malte und 1750

starb. Betrachten wir den Altar näher, so finden wir uns trotz seiner

fast überreichen Ornamentik freudig überrascht von einem frischen, flotten

Zuge, der das ganze Kunstwerk beherrscht; hier waltet nicht jener Geist,

der durch Mannigfaltigkeit Tiefe, durch Wunderlichkeit das Wunderbare,

durch Ueberladung echten, inneren Reichthum, durch Künstelei wahres

Können zu ersetzen, zu überbieten trachtet. Hier lernen wir einen

Meister kennen, der die lebhafteste Phantasie, offenkundiges Streben nach

augenblendender Gestaltenfülle und ein Fortissimo decorativer Sprache

mit süßem Wohllaut, Innigkeit und ernstem Studium der Natur zu verbinden

 weiß. Die beiden inneren, die neugestaltete Nische Hankirenden

g) Anlässlich der Ausstellung kirchlicher Kunstgegenstände im Oesterr. Museum

wurde das Tabernakel in den vBlattern für Kunstgewerbel (XVI, 8) abgebildet; eine

andere Abbildung ist meinem Berichte (Aber die Ausstellung in A. Psbsfs wKunstgewerbeblattu

 (lll, n) beigegeben.

5) Eine Darstellung der Mutter Anna mit dem Marienkinde und den Aposteln,

zugleich Kirchenpatronen, Philipp und Jacobus. '
            
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