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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 1)

Säulen sind von Weinranken umschlungen, zierliche Rosengewinde bedecken

 die Flächen der gerade aufsteigenden, äußeren Säulen. An den

von ihnen rechts und links gebildeten Flügeln stehen in Nischen mit

Muscbelwölbung die beiden Kirchenpatrone Philipp und Jacobus in faltenreichem

 Gewande und würdiger Haltung; über wie unter den Nischen,

an den Basen der Säulen, an den Zwischengliedern und an der Vorderseite

 der Mensa beiindet sich reiches, erhabenes Schnitzwerk und beiderseits

 ein Abschluss von freigeschnitzten, bis zu den Capitälen der Ecksäulen

 hinanreichenden Ornamenten, welche einFlügelknabe trägt. Ueberall,

wo sie nur anzubringen waren, blicken geflügelte Engelsköpfchen herab.

Auf den Bogenabschnitten rechts und links sitzen Petrus und Paulus.

ln der Mitte ganz oben erhebt sich als Abschluss des Werkes die fast

lebensgroße, freistehende Gestalt des Heilands, den zwei, auf den

mittleren Bogenabschnitten ruhende Engel bekrönen; die nur um die

Hüften bekleidete Figur hält in der Linken das Kreuz, die Rechte gen

Himmel weisend. Zu ihren Füßen findet sich wieder ein Kleeblatt

schwebender Putten, von denen die beiden oberen in ihrer lebhaften

Haltung und in der Durchbildung der Körperformen unstreitig zu den

besten Stücken des reichen Werkes gehören, ein Vorbild für unsere Holzschnitzschulen,

 wie man sich's nicht besser wünschen kann. Schließlich

ist noch zu erwähnen, dass der Altar, der als Rosenkranz-Altar dient,

durchwegs aus Zirbelholz und bemalt ist; die Säulen sind roth, sonst

herrscht Blau und Gold vor, wie beim Tabernakel. Im Großen und

Ganzen ist die Bemalung, welche sich uns darbietet, die ursprüngliche;

nur die Augen der Karyatiden und mehrerer Putten sind nachgemalt, und

zwar so unglücklich, dass leider fast Alle zum Schielen gebracht wurden.

Die Vorliebe für Kindergestalten, welche dem Werke ein eigenartiges

 Gepräge gibt, und besonders die charakteristische Behandlung

dieser Motive (das leicht gewellte, nicht krause Haar aller Kinderköpfchen),

 die überzeugende Naturwahrheit der Figuren, welche ein

ernstes, tief eindringendes Studium bezeugt, und der Umstand, dass der

Künstler trotz allen Reichthums der decorativen Sprache, die er spricht,

völlig frei ist von Manierirtheit - dies Alles scheint einen Hinweis auf

Heimat und Namen des Künstlers zu bieten.

ln dem nur wenige Stunden von Cortina entfernt liegenden Belluno

 findet sich eine ganze Reihe hervorragender Holzsculpturen, welche

der Hand des Andrea BrustolonN) entstammen, der daselbst, wie

') Auch die Form Brustolon und Brustolone findet sich; erstere bei Cicognara

{Storia della scultura 1324, Vl, 240) und Finocchietti (Della scultura e taraia in legno

[annali del rninisterio di agricoltura, industria e comrnerciu, Nr. 56, 1873] x76); letztere

u. A. bei der anlässlich der Enthüllung seines Denkmales in Dom di Zoldo herausgegebenen

 Festschrift (Rovigo 187;). Dass der Künstler sich selbst Brustoloni nannte,

beweisen zwei mir vorliegende facsimilirte Briefe von seiner Hand, die

sich auf die beiden Alttlre in der Kirche S. Vnlentino in Mareson di Zoldo beziehen.
            
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