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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 1)

l. u) Seidenstoffe. Bezüglich des Materials der liturgischen Gewänder haben

Schönheit und Dauerhaftigkeit als Haupteigenschaften zu gelten, daher dürfen zu deren

Anfertigung aus Seidenstoffen nur schwere, rein seidene Gewebe verwandt werden, welche

als die haltbarsten auch die wohlfeilsten sind. Bei gemischten Stoffen gibt die Anwendung

 von Leinen und Baumwolle zu ernsten Bedenken bezüglich der Haltbarkeit Veranlassung.

 b) Brokat. Eine Rückkehr zur Herstellung der wirkungsvollen Gold- und

Silberstoffe nach alter Art ist im hohen Grade wünschenswerth und wird die Verwendung

des cyprischen Goldfadens in seiner ehemaligen Güte hierzu besonders empfohlen.

c) Sammet. Auch die Erzeugnisse der zu neuem Glanze erstandenen Sammetfabrication,

glatte wie gemusterte, verdienen in hohem Grade empfohlen zu werden. d) Farbe. ln

Erwägung, dass viele neuere Farbstoffe sich durchaus nicht bewährt haben, wird die

ausschließliche Anwendung der licht- und wasserechten Farben als unerlässlich bezeichnet.

Für die Wahl, Mannigfaltigkeit und Zusammenstellung der Farbentone verdienen die

alten Vorbilder viel mehr Beachtung, als sie bisher gefunden haben. e) Futter. Als

Futter dürfen nur solide Stoffe verwendet werden; wo Seide zu kostspielig sein sollte,

wird ein Leinengebilde zu empfehlen sein, dem durch ein aufgedrucktes Muster der

geeignete Schmuck gegeben werden kann.

ll. Muster. Dem Muster, bei welchem zunächst der Flächencharakter zu betonen

ist, sollte irgend eine Beziehung zum kirchlichen Zwecke nicht fehlen. Dasselbe ist dem

pflanzlichen Gebiete und auch aus dem Bereiche der christlichen Thiersymbole zu entnehmen

 im engen Anschlusse an die stilgerechten Vorbilder der Vergangenheit. Eine

reichere Auswahl als bisher müsste geboten und noch mehr für Muster gesorgt werden,

denen die Stickerei zur Erzielung größerer Mannigfaltigkeit zu Hilfe kommen kann.

lll. Ausschmückung. Die Webekunst dürfte mehr als bisher zur Ausschmückung

der Gewänder durch Stabe und Borten heranzuziehen sein, nach Art der sogenannten

Kolnischen Borten, bei denen die Vollendung der Figuren der Nadel überlassen blieb.

Damit die Stickkunst, welche neuen Aufschwung genommen hatte, als Hilfsmittel für

die Ausstattung der Gewänder den richtigen Weg behaupte, muss sie sich wieder an die

alten Vorbilder enge anschließen und demgemäß sich einer größeren Strenge in Zeichnung

 und Farbe der Ornamente wie der Figuren befleißigen. Für weniger geübte Kräfte

und geringere Mittel empfiehlt sich die Applicationsarbeit, doch ist bei ihr auf stilgerechte

Zeichnung besondere Sorgfalt zu verwenden. Wo höhere künstlerische Befähigung vorhanden

 ist und größere Ansprüche erhoben werden, ist die eigentliche Nadelmalerei

vorzuziehen. Handelt es sich um Wiederherstellung einer alten Stickerei; so darf über

das Ziel der für den kirchlichen Gebrauch nothwendigen Erhaltung nicht hinausgegangen

werden. Die Stickerei darf den freien Faltenwurf nicht hindern, damit sämtntlichen

Paramenten der Gewandcharakter gewahrt bleibe.

Ausstellung von Adelaide 1887. Der österreichische Hof hatte seinen Erfolg,

wie die Berichte übereinstimmend melden, nicht blos seinem mannigfaltigen und gediegenem

 lnhalte, sondern wesentlich auch dem geschmackvollen Arrangement zu verdanken,

 zu welchem prachtvolle Seidenstraße von Philipp Haas 8: Sohne, dann Gobelinlmitationen

 und Flaggen von Bossi verwendet worden sind und dessen Mittelpunkt die

Bildnisse lhrer k. und k. Apostolischen Majestaten bildeten.

Von den ausgestellten Objecten hat den lebhaftesten Beifall gefunden die in quantitativer

 und qualitativer Hinsicht hervorragende Exposition von Ernst Wahliß, ihr

zunächst gestellt wurden die Glaswaaren von S. Reich 6x Co., welche, wie ein Bericht

hervorhebt, durch ihre Trelflichlteit sich selbst schon einen bedeutenden jährlichen

Export nach England errungen haben. Mit Anerkennung werden ferner genannt die Glaswaaren

 von Stolzle's Sohne, Hermann Moller (Ulrichsthal, Bohmen) und Pfeifer 81 Co.

(Gablonz); die Bronzelampen von Gebrüder Brünner, die Maioliken von Gebrüder Schütz

und die Porzellanarbeiten von Gustav Richter (Warnsdorß Bohmen).

Die Textilindustrie ist, abgesehen von den schon genannten großen Firmen

Philipp Hans 6x Sohne und Giuseppe Bossi, noch vnrtretflich reprasentirt durch Löwenfeld

 und J. Dambock d: Sohne (gestickte Tischdecken); letzterer Artikel findet sowie auch

die Stickereien der Frau Emilie Bach bei den Besucherinnen der Ausstellung großen Beifall.

Die Musterkarte kunstgewerblicher Thatigkeit Oesterreichs in Adelaide wird vervollständigt

 durch schone Porzellanmalereien von Josef Zasche in Wien, Juwelenimitationen

 von A. Augustin in Wien, Schmuck aus böhmischen Granaten von Steiner d: Kolliner,

 Cigarrenkastchen und Damentaschen in reicher Auswahl von E. Atlaß in Wien, ein

gemaltes Fenster von C. Geyling in Wien.

Für die Rednction verantwortlich: .I. Fulnexicr und F. Riüer.

Selbstverlag du k. k. Outen. Museums für Kunst und Indunn-ie.

lnchdrnßllrul von Clrl Demldü Sohn In Wich.
            
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