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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 1)

Das zu erreichen, bedarf es freilich der Mitwirkung verschiedener 
Kräfte und mancherlei Anregung von verschiedenen Seiten her. Zu solcher 
Anregung mögen auch diese Zeilen einen Beitrag bilden; sie beschäftigen 
sich nur mit einem Theile der Kunst, welche in Frage steht, allerdings 
einem der wichtigsten und bedeutendsten, dem Schmuck der Wände, 
demjenigen, welcher dem höchsten Gebiete der Kunst, der historischen 
Malerei, am nächsten steht, ja mit ihr zum größten Theile so identisch 
ist, dass er ihr die höchsten Aufgaben stellt. 
Wenn ich rnir vorgenommen habe, diesen Gegenstand zu besprechen, 
so bieten sich mir zwei Gesichtspunkte der Betrachtung dar: der geschicht- 
liche wie der ästhetisch-kritische, d. h. einerseits derjenige, welcher ein- 
fach berichtet, wie im Laufe der Zeiten und im Wechsel der Knnststile 
die Kirchen ausgeschmückt worden sind, andererseits derjenige, welcher 
uns sagt und lehrt, wie denn die Kirche nach ihrer Art geschmückt 
werden soll. Es ist auch noch ein dritter Gesichtspunkt denkbar, den 
ich den kirchlichen oder religiösen nennen möchte, welcher dahin zielt, 
die Kirche als Kirche zu fördern, dem Glauben als Glauben zu dienen. 
Wohl selbstverständlich kann das nicht der Standpunkt sein, den 
ich in meinen Betrachtungen über die kirchliche Kunst einnehme. Die 
Tendenz dieser Betrachtungen kann nur eine künstlerische sein und ist 
nur eine künstlerische, was freilich nicht ausschließt, dass die würdige 
Ausschmückung einer Kirche auch dem religiösen Leben, dem religiösen 
Empfinden zu Gute kommen kann. 
Bei solcher künstlerischen Tendenz ist es natürlich der ästhetisch- 
kritische Standpunkt, den ich einzunehmen habe. Wir wollen fragen und 
wissen, wie die Kirche angemessen, ihrer würdig auszuschmiicken ist. 
ln diesem Falle aber - anders als es z. B. bei der Kunst im Hause der 
Fall ist - zeigt es sich einigermaßen schwierig, den historischen und 
den ästhetischen Standpunkt zu scheiden. Denn, da einerseits oftmals 
und sehr oft der erneute Schmuck älterer Kirchen in Frage steht, die 
doch in einem bestimmten Stile erbaut sind, andererseits auch die neuen 
Kirchen nach der Regel in einem der historischen Baustile errichtet 
werden, so ist es wohl nur angemessen, dass der innere Schmuck mit 
dem Baustile in Einklang gesetzt werde. Und so wird denn die Kenntniss 
und Beurtheilung dessen, was frühere Zeiten zum Schmuck der Kirchen 
verwendet und gethan haben, zu einer Nothwendigkeit. 
Bei dieser Sachlage werden wir am besten thun, wenn wir, statt 
das Historische und das Kritische zu trennen, einen kurzen Gang durch 
die Geschichte der christlichen Kunst machen, allerdings nur durch den 
Zweig derselben, der unserer Betrachtung untersteht, und mit der 
geschichtlichen Darstellung zugleich den Werth dessen, was die ein- 
zelnen Epochen der Kunst geleistet und uns an Mustern hinterlassen 
haben, besprechen.
	        

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