teratur für Künstler und gebildete Laien gewesen ist, heut fast nur mehr von
Philologen und speciellen Fachgenossen gepflegt wird, sind die Werke der Kunsthistoriker
ein integrirender-Theil der Lectüre nicht bloss der Kunstfreunde, sondern
auch des gebildeten Theiles des Volkes. Wir haben den Gründen dieser
Erscheinung nicht nachzuspüren, wir haben bloss eine Thatsache zu verzeichnen,
die unbestreitbar ist.
Sie erstreckt sich nicht bloss auf Deutschland, sondern fast in noch höherem
Grade auf England, Frankreich, Belgien und Holland. Je höher die Bildung
eines Landes ist, desto mehr wird auf dem Gebiete der Kunstgeschichte geforscht,
desto mehr werden kunsthistorische Werke gelesen.
Die Kunstgeschichte entspringt einem grossen Bedürfnisse der modernen
Welt. Wie es heutigen Tages nur Wenige giebt, die eines directen oder indirecten
Antheiles an der Kunstproduction selbst entrathen können, so bedürfen
alle Gebildeten eines literarischen Mediums, um die Werke der Kunst, welche
die Frucht eines grossen culturgeschichtlichen Prozesses sind, auch verstehen
und in ihrer vollen Bedeutung würdigen zu können.
Agincourt war einer der ersten, welche das universelle unserer Cultur
zusagende Element in der wissenschaftlichen Kunstpflege angeregt haben; Kugler
und Schnaase waren auf deutschem Boden diejenigen, welche im Geiste
der modernen Zeit die Kunstgeschichte zu selbständiger Geltung gebracht, das
geschaffen haben, was Kunstgeschichte genannt wird. f
_ Aber die Voraussetzung, dass einzelne Werke von universaler Bedeutung,
welche das ganze Gebiet der Kunstgeschichte umfassen, entstehen können, ist
die wissenschaftliche Thätigkeit Vieler, in den verschiedensten Ländern auf den
mannichfaltigsten Zweigen der Kunst und Kunsttechnik, nicht bloss der Gegenwart,
sondern mehr noch der Vergangenheit. Die Zahl der Mitarbeiter auf dem
Felde kunstgeschichtlicher Forschung in weitestern Sinne des Wortes ist eine so
grosse, dass es Bedürfniss geworden ist, nicht bloss in directe persönliche Berührung
zu treten, sondern auch die Wiederkehr solcher Versammlungen zur
Förderung dessen zu benützen, was eben auf dem Gebiete der Kunstgeschichte
nicht durch die hervorragende Thätigkeit Einzelner, sondern nur durch die gemeinsame
Ziele verfolgende Wirksamkeit Vieler erreicht werden kann.
Und so wird dieser Congress nicht nur den einen Zweck erreichen, Gleichstrebende
persönlich näher zu rücken, sondern er wird in- erster Linie anstreben
müssen, die Arbeit der künftigen Congresse nach Gesichtspunkten
zu organisiren, welche mit den Bedürfnissen und den
letzten Zielpunkten unserer Wissenschaft im Einklange stehen.
Zu diesem Behufe wird es nöthig sein, zur Durchführung einzelner Fragepunkte
Special-Comites zu ernennen, zur Durchführung anderer ständige
Refer e nten zu bezeichnen.
Als Gegenstände, die, wenn sie überhaupt als zur Durchführung geeignet
anerkannt werden, in die Hände von Comites gelegt werden sollten, scheinen
sich zu empfehlen:
a) Die Frage wegen Durchführung des Repertoriums und des Regestenwerkes;
b) die von Professor Dr. A. Springer beantragte Gesellschaft nAlbertinau
zur Verwerthung der Photographie für kunstgeschichtliche Studien;
c) die Frage wegen gemeinsamer Unternehmungen für Reproduction von
Kunstwerken des ln- und Auslandes; und
d) die Frage wegeh Feststellung von Grundlagen zum Austausche von Reproductionen
der Museen unter einander.
Thema's, welche für Einzelreferenten geeignet wären, dürften folgende
sein: '
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