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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 101)

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stellungsweisen herkömmt. Das ist ja auch der Grund, warum man darauf

dringen muss, dass bei der Bildung von Volksschullehrern, bei der Organisirung

 von Seminarien für Lehrer und Lehrerinnen, für Zeichenlehrer

an Mittel- und Gewerbeschulen, das Lehren der ersten Elemente im

Zeichenunterrichte nicht künstlerisch und methodisch ungebildeten Lehrern

überantwortet werde. Denn obwohl der erste Unterricht im Zeichnen nur

ein elementarer, auf das Erwerben von Fertigkeiten gerichteter sein kann,

so steht nach dem, was eben gesagt wurde, das Handhaben der Zeichenlnstrurnente,

 die Gewohnheit von Anfang an die Dinge richtig anzusehen,

das Erwerben gewisser elementarer Fertigkeiten der eigentlichen Kunst,

in so bescheidenes Gewand sich auch dieser Unterricht hüllt, durchaus

nicht so ferne, als es scheinen könnte. Im Gegentheile, dieser Unterricht

ist schon eine Art Kunstunterricht; aber er ist nicht tendenziös, er ist

nicht dazu angethan die Phantasie irre zu führen, den Kopf mit Idealen,

für welche in jüngeren Lebensiahren kein Verständniss vorausgesetzt

werden kann, anzufüllen, Aeltern und Vormündern mit der Erreichung

von Zielen anzulügen, die nicht erreicht werden können - er ist nüchtern,

dem Lebensalter und der Bildungsstufe angemessen und hat praktische

Ziele vor Augen, welche den etwaigen künstlerischen Lebensberuf der

Jugend wirklich fördern. -

_Wirkt der Zeichenunterricht durch die Methode, in der er ertheilt

wird, und durch das Zeichnen selbst ästhetisch bildend, deri Schönheitssinn

 fördernd, so treten in zweiter Linie der Gegenstand, der gezeichnet

wird, die Zeichen vo rlagen, als ein künstlerisches Bildungsmittel hinzu.

Beim Zeichenunterrichte werden die Vorlagen gewählt, nicht um durch _

sie den dargestellten Gegenstand kennen zu lernen, sondern um rlarnach

zeichnen zu lernen, Auge und Hand zu üben. Sie müssen daher vor

Allem der Stufe der Fertigkeit angemessen sein, welche als Lehrziel dem

Unterrichte vorschwebt, und daher auch selbstverständlich dem Lebensalter,

 in welchem sich der Schüler befindet. Wie sie sich der bereits_erlangten

 grösseren oder geringeren Zeichenfertigkeit, so müssen sie sich

auch dem geistigen Fassungsvermögen der Schüler anpassen; denn nicht

die Augen sind es, sagt Cicero, welche sehen, sondern der Geist, der

durch die Augen sieht.

Die Vorlagen müssen daher gewählt sein im Einklange mit- der

Methode und dem Gang des Zeichenunterrichtes; sie müssen nicht nur

eine Unterhaltung für die Augen sein, sondern auch den Schüler erinnern,

dass er an ihnen und durch sie zeichnen lernt. "Denn so viel-r, sagt

Aristoteles in seiner Politik, bist klar, dass man aus dem den Kindern zu

ertheilenden Unterricht kein Spiel machen soll, denn das Lernen ist kein

Spiel für sie, sondern Lernen ist mit Mühe und Anstrengung Verbulldethn

Das ist ein Satz der griechischen Pädagogik, der beim Zeichenunterrichte

nicht genug empfohlen werden kann.

Müssen die verschiedenen Zeichenvorlagen also in der Weise ge-
            
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