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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 101)

ist viel zu viel für ein Mädchen, das ist für einen Gymnasiasten überHüssig,

und dasjenige, was in dem einen oder dem andern Falle als überflüssig

erklärt wird, ist sehr häufig gerade das, was unerlässlich ist, um einigermassen

 sicher zeichnen zu können.

Am allerschädlichsten und zugleich am lächerlichsten sind häufig die

Anforderungen von Industriellen, Fabrikanten u. s. f.; sie, die am meisten

fertige und sichere Zeichner brauchen, welche den verschiedensten Aufgaben

 des gewerblichen Lebens gerecht zu werden im Stande sind, sie

selbst gönnen den angehenden Zeichnern sehr selten die nöthige Zeit im

Unterrichte, um fertig zu werden. In einigen Fällen aus Unwissenheit,

denn sie selber können in der Regel nicht zeichnen, in anderen Fällen aus

Egoismus, denn Manche sehen in jedem gebildeten Zeichner einen künftigen

Concurrenten, in den meisten Fällen aber aus vollständiger Gedankenlosigkeit.

 Da wird denn auch die Kunstgewerbeschule des Museums

von hoch und niedrig bestürmt, halb oder gar nicht vorbereitete Zeichner

aufzunehmen, welche in möglichst kurzer Zeit, in drei oder fünf Monaten,

 zu tüchtigen Fachzeichnern herangebildet werden sollen. Das Erwerben

 einer jeden Fertigkeit, das wolle man erwägen, braucht Zeit,

"und diese Zeit muss auch dem Zeichenunterrichte gegönnt

werden, damit der Zweck, die Fertigkeiten zu erreichen, auch wirklich

 erzielt wird. Am gefährlichsten aber ist dieses Ueberhasten, wenn

es sich um Lehrerbildung "handelt. Besser ist es, wenige und tüchtige

Zeichner und Zeichenlehrer auszubilden, als oberflächliche und unfertige

Menschen in das Leben und die Schule hinauszuschicken.

Mit der Zeichenfertigkeit und einem methodisch und ernst geleiteten

Unterrichte wird nicht nur die eine Forderung des Aristoteles erfüllt, dass

das Zeichnen nützlich für das Leben sei, sondern es wird auch auf diese

Weise der Blick für die körperliche Schönheit geschärft, und es wird

den Kindern eine Jugendbildung gegeben, nicht blos, weil sie nützlich

ist oder nothwendig, sondern eines Freien würdig und etwas Schönes ist.

Denn es darf nicht unterschätzt werden, dass das Gefühl der geistigen

 Freiheit beim Zeichnen erst dann eintritt, wenn man das Zeichnen

selbst vollständig beherrschen kann. Wie derjenige nur ein wirklich

guter Mensch im Leben ist, dem das Gute und sittlich Erlaubte zu thun

zur Gewohnheit geworden ist, so wird nur derjenige ein wirklich künstlerisch

gebildeter Mensch sein, der von Jugend auf gewöhnt ist, richtig zu zeichnen,

 richtig zu sehen und in Folge dessen auch künstlerisch richtig zu denken.

Für den Staat aber hat der Zeichenunterricht erst dann eine grössere

Bedeutung, wenn er so organisirt wird, dass jeder, welcher die Zeichenfertigkeit

 zur Förderung seines Berufes braucht, diesen Unterricht erhalten

kann, und zwar am rechten Orte und in der rechten Weise. Dann erst

beginnt der Einfluss des Zeichnens auf die Wohlfahrt des Volkes. Und

aus diesem Grunde ist man in Oesterreich gegenwärtig bemüht:
            
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