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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 102)

als Beweis: der Lage einer alten festen Stadt alterthümlich construirte Mauern von Consul

Hahn bereits früher nachgewiesen, während Schliernann auf seiner auf allgemein"

historisch-topographisclien Gründen als Platz einer ältesten Hauptstadt der Gegend une

wahrscheinlichen Ausgrabungsstelle auf Hissarlik keine solche Mauern gefunden hat. Die

in der That kleine und auch sonst vielfach nicht mit den lügen derhornerischen Stadtbilder

 stlxnmende Stadt entspricht als das historisch Wirkliche dem poetisch Fingirten.

Geschichte und Dichtung trollen hier getrennt sein und das hat Schltemann versäumt.

nicht gekonnt. Des falschen Scheins entkleidet werden seine Fundstücke die en eren

Fnrscherkreise, aber gewiss wenig mehr das grüssere Publikum lebhaft zu bcscha igen'

fortfahren und allgemeiner wird auch die Freude sein an einem so trefflichen griechischen

Skulpturwerke, wie der Metope mit dem Helios auf seinem Gespanne, wie Schliemann

es fand. Es war beim Vortrage in einem Abgusse, der als Geschenk Schliernanns

auch Wien zu Theil wurde, ausgesoellr undigab au den Anlass, nach einer offenen Kritik

mit anerkennendem Danke gegen Dr. Schliemann zu schliessen.

, .

Am zu. und 27. November, dann am 4. December hielt Regierungsrath Professor

Dr. F. X. Neumann seinen Cyclus von Vortragen, welche "Wirthschaftliche Bilder

aus der Weltausstellungw zum Gegenstand: hatten.

Der erste dieser Vorträge beschäftigte sich damit, unter Benutzung des auf der

Weltausstellung vorhandenen Materiales zu zeigen, nach welchen Gesetzen die Umwandlung

 der Hausindustrie und des Kleingewerbes in die Grossindustrie sich vollzieht.

 Der normale Verlauf dieser Erscheinung hängt mit der, jeder hochentwickelten

Population eigenthümlichen Steigerung der Lebensbednrfnisse zusammen; er geht daher

einerseits mit der Dichte der Bevölkerung und mit dem Culturzustand derselben Hand in

Hand, andererseits folgt er der sachlichen Verschiedenheit der Artikel in Bezug auf

deren grosseren oder geringeren Verbrauch. ln Folge dieser beiden Ursachen geschieht

die Verdrängung des Handwerkcs durch die Fabriken: ersten s geographisch in demselben

 Sinne, wie der Uebergang von der dünnen, niedrig civilisirten zu der dichten.

hochgebildeten, an alle Lebensgenüssc gewohnten Bevölkerung, und zweitens von den

(Jegenständen des Massenbedarfcs allmllig zu jenen des minderen Consums übergehend.

Die wirklichen Zustande, welche man in einem Lande vorlindet, sind das complcxe Ergebniss

 des Zusammenwirkens dieser beiden Factoren. Kann dieser Satz als ein Naturgesetz

des Wirthschaftslebens gelten, so verlaufen auch die begleitenden Erscheinungen mit auffälliger

 Regelmassigkeit. Es wird rnit dem Werkzeug zur Unterstützung der Handarbeit

begonnen; dann wird das Werkzeug zur Arbeitsmaschine combinirt, welche einzelne

Stadien der Arbeit unterstützt, aber das Handwerk noch immer als ein solches bestehen

 lasst.

Hierauf erfolgt allmilig die Combination der von den einzelnen Arbaitamaschinen

verrichteten Stadien der getheilten Arbeit bis zur maschinellen Herstellung des ganzen

complicirten NVcrkes. Diese wird bald in solchen Dimensionen durchgeführt, dass der

Arbeiter für deren mechanische Bewlltigung nicht mehr genügt; es werden elementare

Kräfte als Motoren langewendet und sowie dies gelungen ist, wird der" fabriksweise

Betrieb zur unabweisharen Nothwendigkeit. Ferner tritt als charakteristisch hervor, dass

die technischen Fortschritte zuerst die Arbeitsverrichtungen des Kleingewerbes verbessern

und erleichtern, im weiteren Verlaufe immer mehr derselben völlig auf sich nehmen und

endlich den Handwerker zum Fabrikarbeiter machen. - Der Vortragende zeigt nun im

Einzelnen, dass dieser Entwicklungsgang sowohl geographisch als sachlich in der, Wiener

Weltausstellung deutlich zu verfolgen war; er schildert die Zustande der gewerblichen Arbeit,

indem er mit Ccntrnlasien beginnt und mit den hochentwickelten lndustriegebieten Nordamerika?

 scbliesst und führt ebenso zahlreiche Belege aus der Entwicklungsgeschichte der

Grossindustrien an. insbesondere sucht er aus diesen Beobachtungen darzuthuu, dass das Ende

jenes Urnwandlungsprocesses nur in dem Zurucklenken auf das individuelle Gebiet zu erwarten

 sei.Wocssich um wahre Kunsttechniken handelt, wo der Geschmack des Arbeiters beider

 mannigfachen Wahl von Form und Farbe entscheidet, da wird die Maschine siegreich

vom Arbeiter zurückgeschlagen; auf allen obrigcn Gebieten verdrängt sie denselben. Freilich

 aber sei darin kein Unheil zu erblicken; denn die Maschine hat den Arbeiter, von

den Fesseln des zünftigen Handwerkes erlöst, zur Freiheit und Durchgeistigung geführt.

in dem zweiten Vortrage wendet sich Dr. F. X. Neumann naher dieser letzteren Thatsache

 zu; er beginnt mit einer Betrachtung der Lage, in welche die Menschheit überhaupt

und die sogenannte arbeitende Classe im Besonderen durch den Ucbergang vom Kleingewerbe

 zur Grossindustrie versetzt wurde. - Verlässliche Schlussfolgerungen daraus lassen

sich ziehen, wenn man die Art und Weise betrachtet, wie die Menschen in den Lindern

mit vorwiegendem Handwerkse undin jenen mit vorwiegendem Fabriksbetriebe ihren

gesammten Lebensunterhalt deckenfdznn wiedies in-den verschiedenen Zeitepochen der

Fall war, je nachdem Kleingewerbe-oder Gvrnssindustrie herrschten. Der Vortragende

schildert auf Grund der Statistik und Geschichte und mit Zuhilfenahme von Wahr-
            
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