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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 102)

nehmungen aus der Weltausstellung die Lebensweise der Völker unter der Herrschhft der

Hausgewerhe und jene im Zustande der Fabriksindustrien. Er wendet sich den Contrasten

der Wohnstltten, Nahrungsmittel und Bekleidung zu, welche da und dort gefunden werden

und charakterisirt die grossartigen Fortschritte der modernen Betriebsweise. Der Zusammenhang

 zwischen Existenzbedingungen und Einkommen führt den Vortragenden zur

Kritik der Lohnfrage und zum Beweise, dass auch diese in der Grossindustrie eine viel

günstigere Losung iindet, als man gewöhnlich anzunehmen geneigt sei; dasselbe führt er

hinsichtlich der sog. Opfer der lndustrie durch. Die Lage des Arbeiters sei keineswegs

im Kleingewerbe durchweg günstiger, sondern in vielen Beziehungen minder günstig als

in der Fabrik; Ware aber selbst diese Anschauung zu optimistisch, so habe doch die

ganze Menschheit durch die heutige Organisation der productiven Arbeit genug gewonnen.

um Nichts von demjenigen zu bereuen, was sie auf diesem Gebiete gewagt und unternommen

 hat.

im Anschluss an diese Satze zeigt der dritte Vortrag, dass die Weltausstellung

als Schauplatz des intellectuellen und materiellen Wirkens einer ganzen Generation auch

Belehningen über deren mlturhistorischen Fortschritt im Allgemeinen biete. Jede Ausstellung,

 so beschränkt sie auch angelegt sei, ist ein Culturbild ihrer Epoche, entweder

blos eines Landes oder aller Staaten der Erde; die Elemente, aus welchen man auf

den Grad der Gesittung und Bildung einen zuverlässigen Schluss ziehen könne, seien

hier allemal verkörpert. Der Vortragende weist dies in einer gedrangten Uebcrsicht charakteristischer

 Typen der letzten Weltausstellung nach und zieht dann historische Vergleiche

zwischen diesen und den eigenthumlichen Zugen der ersten Veranstaltungen dieser Art:

der Gewerbe-Ausstellung, welche im Jahre 179i zu Prag, und der Industrie-Ausstellung.

welche im Jahre 1798 auf dem Champs de Mars in Paris abgehalten wurde. Er ergänzt

die Bilder dieser Feste durch geschichtliche und statistäche Daten über die damaligen

Zustande von Handel und Industrie und wendet sich mit ähnlichen Excursen der im Jahre

1845 in Wien veranstalteten Gewerbe-Ausstellung zu, um daran die Schilderung des ungeheueren

 Aufschwunges zu knüpfen, welcher sich auf den fünf Weltausstellungen der Jahre

1851, 1855, 1861„ 1867 und 1873 manifestirte. Nicht nur-zeige sich derselbe in der

statig wachsenden Theilnahme der Aussteller und Besucher sowie in den zunehmenden

ausseren Dimensionen, sondern auch in der Erweiterung des Ausstellungswesens auf neue

Gebiete des menschlichen Schaffens, in dem Einfiusse auf die Richtung des gesarnmten

productiven und geistigen Lebens, endlich in der Einbeziehung neuer, lange Zeit dem

europäisch-amerikanischen Verkehre verschlossener Landergruppen. Der Vortragende bei

leuchtet diese Betrachtung durch eine Anzahl augenfalliger Beispiele; er betont insbesondere,

 daas die Wiener Weltausstellung den vorwiegendsten Strömungen der Zeit Ausdruck

geliehen habe, indem sie die sociale Frage, die Frage der Frauenarbeit, die Theuerungsfra

 , die Geschichte und Statistik der Preise des Welthandels u. s. W. in ihr Programm

ei zog. Der Vortragende schliesst mit einigen auf die kolossalen Dimensionen der hier

reprasentirten Weltwirthschaft bezüglichen Daten und erlautert durch dieselben Seim:

Behauptung von dem allgemeinen menschlichen Fortschritte.

(Sonntagavorlesnngen). Die Sonntagsvorlesungen nahmen ihren Anfang am

16. November mit dem ersten von vier Vortragen des Directors v. Eitelberger über

die wichtigsten Malerschulen auf der Weltausstellung.

Die Frage der Nutzbarmachung der Weltausstellung, schon vor dem Beginne derselben

 von dem Protector des Oesterr. Museums, k. H. Erzherzog Rainer, principiell

angeregt, war die aussere Veranlassung, dass im Laufe dieses Winters sowohl bei den

Donnerstagsvorlesungen, als auch bei den Sonntagsvorlesungen Thema's zum Gegenstande

gewählt wurden, welche der Wiener Weltausstellung entnommen sind. ln den wenigen

Stunden, die dern Sprecher zugeiallen, soll nun vorzugsweise die Frage behandelt Werden,

was uns die Ausstellung der Malerschulen Europas gelehrt hat, welche Resultate aus

diesem Theile der Exposition vorliegen.

Es handelt sich dabei nicht urn eine Kritik, sei es des Ganzen oder einzelner

Bilder, sondern um ein Resume, ein Festhalten dessen, was gewonnen wurde, und der

Mahnungen, die aus den Kunstwerken zur unmittelbaren Gegenwart sprechen.

Denn das ist der Gewinn aller grosseren Gemälde-Ausstellungen, insbesondere der

periodisch wiederkehrenden und vom allgemeinen Gesichtspunkte geleiteten, dass man einen

Ueberblick der Malerschule der Gegenwart erhält, und dass jeder Einzelne mit seinem

besseren Wollen und Streben, seinen Hoffnungen und Wünschen sich nicht isolirt fühlt,

sondern als Glied einer grossen Culruretrbmung, die seine eigenen Ideen erfasst hat.

Und wie der Fachmann in dieser Weise durch eine solche Weltausstellung gefordert

11 ird, so erhält auch der Kuustfreund und der Laie Einsicht in die treibenden Kräfte, welche

in der Nationalität, den Traditionen der Malerschule, und in den socialen und politischen

ldeen der Gegenwart verkörpert sind, er erhält Einsicht in die Einflüsse. unter welchen
            
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