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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 102)

Was die Vorlagen für die Volksschule betrifft, so handelt es

sich bei denselben nicht um Vorlagen, welche für die Schüler bestimmt

sind, sondern um Vorlagen für den Lehrer. Da nämlich alles Zeichnen auf

den ersten Stufen der Volksschule ein Zeichnen an der Tafel ist und die

Kinder in der Volksschule das nachzeichnen, was der Lehrer verzeichnet,

so ist es unerlässlich, dem Lehrer diejenigen Vorlagen zu geben, an die er

sich bei diesen Vorzeichnungen halten kann. Das ist der einzig zweckmässige

 und natürliche Weg, der richtigen Methode des Zeichenunterrichtes

schnell Eingang in die Volksschule zu verschaffen. Da nun solche Vorlagen

fast nicht existiren und man den ohnehin sehr beschäftigten Lehrern nicht

zumuthen kann, solche Vorlagen selbst zu schaden, und da nur wenige

Lehrer die umfassende Vorbildung speciell für den Zeichenunterricht haben,

um ein Vorlagenwerk herauszugeben, so wurde es als eines der dringendsten

 Bedürfnisse anerkannt, die Publication eines solchen Vorlagenwerkes

zu veranstalten. Zur nicht geringen Freude der Schulmänner in der

Commission hat einer unserer am besten pädagogisch gebildeten und

erfahrensten Zeichenlehrer es übernommen, ein solches Vurlagenwerk

sofort zu entwerfen. Dasselbe dürfte roo bis 120 Tafeln in Folio mit

aurographirten Zeichnungen enthalten und wird sofort in Angriff genommen

 werden, wenn die Vorverhandlungen mit dem Verleger zu einem

gedeihlichen Ende werden geführt worden sein. Die ersten Hefte werden

bereits im October l. J. erscheinen.

Eine weitere Lücke in unseren Lehrmitteln für den Zeichenunterricht

sind Vorlagen für das Bau- und Maschinenzeichnen an unseren

Gewerbeschulen und gewerblichen Fortbildungsanstalten. Während man

sich in den Realschulen rnit den Vorlagenwerken von Herdtle, Roller,

Weitp recht u. s. f. helfen kann, fehlt es vollständig an Vorlagen für

das Bauzeichnen an diesen Anstalten und tbeilweise auch für das Maschinenzeichnen.

 Jede Schule behilft sich ietzt, so gut sie kann, mit Zeichnungen,

 entweder der Lehrer selbst oder mit Blättern aus verschiedenen

Vorlagewerken. Dabei tritt aber ganz besonders der Uebelstand hervor,

dass die Vorlagen des Auslandes weder mit unseren Bauvorschriften noch

mit unseren Gewohnheiten harmoniren und dass insbesondere eine Menge

Vortheile, welche aus dem reichen Wiener Bauleben hervorgegangen sind,

für die Baugewerbeschule, insbesondere in den Kronländeru, ganz verloren

gehen. Dann sind auch die meisten Unterrichtsbehelfe für das Bauzeichnen

in einem viel zu kleinen Maßstabe gezeichnet und haben nicht die Deutlichkeit

 und die Anschaulichkeit, die für diesen Unterricht unerlässlich ist.

Glücklicherweise besitzen wir die vollständigen Materialien für ein

allseitig genügendes Vorlagenwerk für den bautechnischen Unterricht in

den vortrefflichen Blättern, welche die Herren Proff. Hermann Riewel

und Carl S ch midt an der Wiener Baugewerbeschule für dieselbe gezeichnet

und auf der Weltausstellung zur Anschauung gebracht haben. Diese

Zeichnungenhaben allgemeines Aufsehen erregt und ein wohlverdientes.

4.
            
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