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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 105)

wohnern der Stadt, deren Entstehung die Mythe einer Amazonenfurstin Ephesos zuschreibt,

 einerseits, und der übermächtigen Hierarchie des stets wachsenden, zuletzt fast

internationalen Heiligthums andererseits bildet die Angelpunkte der ephesischen Geschichte.

Zur Zeit des Krösus hatte der Hohepriester entschieden die Oberhand, erst Alexander

verschaEte auch der Bürgerschaft Einfluss auf die Tempelverwaltung und 'seit Augustus

war das Verhaltniss der beiden rivalisirenden Machte ein streng und sicher geregeltes.

Der historische Dianatempel oder das Artemisium der Stadt, welcher an seiner Stelle

bereits sieben Vorganger hatte, war ein Werk des griechischen Baumeisters Tersiphron

und dessen Sohnes Metagenes um 576 v. Chr. Nach der grossen Feuersbrunst des Herosrrat

 in der Geburtsnacht Alexander d. Gr., 356 v. Chr., wurde er hauptsächlich von

dessen Architekten Dinokrates, dem nachmaligen Erbauer von Alexandrien, wieder hergestellt.

 Der Tempel war ein bwrauruko; nsptmepog, d. h. eine Naos, rings von x28

Säulen umgeben, und ie acht derselben an den Sehmalseiten; dabei 22o' breit, 421V lang,

mit einer Saulenhohe von 60'. Wegen des sutnptigen Bodens stand er aber einer Holzkohlenschichte,

 auf einer Plattform, zu der zehn Stufen hinauffuhrten. Bis in die neueste

Zeit war derselbe spurlos verschwunden: der Eifer des Christenthums, die häufigen Erdbeben,

 die Gotheneiniälle im 3. Jahrhundert n. Chr. und vollends die Türken hatten ihn

gänzlicher Zerstörung überliefert. Erst den von ausserordentlich scharfsinnigen Combinationen

 ausgehenden Bemühungen des Englanders M. Wond seit 1363 ist es gelungen,

zuerst das Tempelgebiet in der Nahe der heutigen Eisenbahnstation Ayasoluk und im

Jahre 1870 das Heiligthum selbst zu entdecken, und seitdem die englische Regierung 187i

das ganze Territorium angekauft hat, ist nun das Weltwunder alter Zeit unter einer 21'

tiefen Schutt- und Alluvialschichte aufgedeckt werden. Die Resultate sind freilich wenig

erfreulich; nebst einer Unzahl von Baustuclten sind blass die Treppen zur Plattform,

diese selbst sammt deren Piiasterung, Saulentrommeln erhalten, und innerhalb des Cellaraumes

 die Stelle des Gotterbildes und des Praxitelischen Altars davor erkennbar. Mit

dem Wunsche, dass die Expedition zur Erforschung des Zeustempels in Olympia, zu

welcher sich die deutsche Regierung allerdings etwas langsam entschliesse, von reicherer

Ausbeute gelohnt werde, endete Prof. Sachau seinen Vortrag.

W Bücher-Revue.

A. v. Reumont: Lorenzo da Medici il Magnii-ico. a Bde. Leipzig, 1874..

G. Rohault de Fleury: Lettres sur la Toscane en 1400. 2 Bde.

Paris 1874.

Toskana wird nie aufhliren, Gegenstand des Studiums aller derer zu sein, die sich

für Kunst, Literatur und Geschichte interessiren. In dem erstgenannten Werke gibt

A. v. Reumont eine eingehende Biographie Lorenzds de Medici, seit den Zeiten Roskoek

wieder die erste eingehende Schilderung Toskanah zur Zeit des berühmten Mediceers.

Uns interessiren insbesondere jene Capitel, in denen (Bd. l Seite 517-6114 und Bd. ll

S. 3-230) von dem gelehrten Kenner Italiens die Medici! im Verhiltniss zur Kunst und

Literatur geschildert werden. v

ln dem Werke Rohault de Fleury's, eines Architekten aus der Schule des

Violet-le-Duc, dessen grosse Werke über Pisa und über Toskana unsere Leser bereits

kennen, unternimmt es der Verfasser, in der sonderbaren Form von Briefen eines reisenden

Franzosen aus dem Jahre 1400 die Civil- und Militär-Architektur Toskanifs zu schildern.

Trotz der barocken Form und der breiten Darstellung ist das Werk ausserordentiich

lehrreich. Es, behandelt mit seltener Gelehrsamkeit Partien der Technik des Steinbaues,

des Bsder- und Palastbaues, ferner die Baupolizei jener Zeit und ähnliche Dinge, über

welche uns die Schriften deutscher Fachmänner ganz im Dunkeln lassen, und ergänzt

unser Wissen gerade über jene Punkte der Monumenualfnrschung, die bisher unklar waren.

uLe Bijouu, Revue artistique etc. de la bijouterie, joaillerie, orfevrerie.

Paris 1874.

Von dieser bei Rothschild in Paris erscheinenden Monatsehrift liegt uns das erste

Heft vor. Wir nehmen von derselben Act, nicht deswegen, weil sie höheren Anfordenmgen

 entspricht, sondern weil unserer Wiener, Prager und Gablonzer Industrie auf

diesem Gebiete noch wenig genügende Journale zur Verfügung stehen, und du Bedarfniss

 nach Vorlagen und Vorbilderwerken für Goldschmuck ein sehr grosses ist. Das

neue Joumal stellt sich kein sehr hohes Ziel; es will nur dem Zeitgeschmacke Rechnung

tragen und ein Modejournal für Bijoutzerie werden.
            
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