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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 105)

gungen ziehen comtant Abweichungen von der Kegelmassigxeit eines in

allen Theilen mächtig und gleich geübten Körpers nach sich.

"Ich habe niemals gehörte, sagt Diderot in seinem Versuch über

die Malerei, "dass man eine Figur übel gezeichnet nenne, wenn sie ihre

äussere Organisation deutlich sehen lässt, wenn das Alter, die Gewohnheit

und die Leichtigkeit, tägliche Beschäftigungen auszuüben, wohl ausgedrückt

ist. Diese Beschäftigungen bestimmen die vollkommene Grösse der Figur,

die Proportionen jedes Gliedes und des Ganzen; daher sehe ich das Kind

entspringen, den erwachsenen Mann und den Greis, den wilden sowie den

gebildeten Menschen, den Geschäftsmann, den Soldaten und den Lastträger.

Wenn eine Figur schwer zu erfinden wäre, so müsste es ein Mensch von

a5 Jahren sein, der schnell auf einmal aus der Erde entstanden wäre, und

nichts gethan hätte", aber dieser Mensch ist eine Chimirem

In engstem Connex mit dem Knochensysteme stehen die Organe der

activen Bewegung, die mit dem Vermögen sich zu verkürzen und zu verlängern

 ausgestatteten Muskeln. Diese weichen, elastischen, einen hohen

Grad von Forrnveränderlichkeit besitzende-n Gebilde, im gewöhnlichen Leben

 Fleisch genannt, üherkleiden das Skelet. Anfang und Ende eines willklirlichen

 Muskels stehen mit derben, librösen Strängen in Verbindung,

die den Ansatz der contractilen Masse an den Knochen vermitteln, man

nennt sie Sehnen. Sie stehen zu den zugehörigen Muskeln in bestimmten

Verhältnissen und variiren nicht weniger an Gestalt und Grösse, wie diese

selbst.

Die Muskeln des Skeletes unterstehen unserm Willen, auf Impulse

unseres Gehirns verändern sie ihre Gestalt und vermitteln dadurch Bewegung.

 Niemals sind alle Muskeln des menschlichen Körpers in absoluter

. Ruhe; selbst bei den ruhigsten Stellungen sind gewisse Muskelgruppen in

Action. Beim Stehen und Sitzen machen .wir, ohne dass es uns mehr bewusst

 wird, fortwährende Muskelanstrengungen, um gewisse Moments der

Schwerkraft zu überwinden. Erst wenn .wir an die Grenze der Ermüdung

kommen, merken wir, dass wir scheinbar in Ruhe eine Arbeit geleistet

haben, die wir jetzt nicht weiter leisten können.

Aus der Lage der Muskeln, aus den Beziehungen derselben zu den

beweglichen Punkten der Gelenke, aus ihren mechanischen Verhältnissen

ermittelt die descriptive Anatomie an der Leiche, welche besondere Wirkungsweise

 jedem einzelnen Muskel zukommt. Für den Künstler, der den

lebenden menschlichen Körper darstellen soll, genügt es nicht, von jedem

einzelnen Muskel nur Lage und Wirkungsweise zu kennen - seine Aufgabe

 besteht nicht etwa darin, sich aus den bekannten Veränderungen der

einzelnen Muskeln für bestimmte Actionen beiläufig die entsprechende Gestalt

 des menschlichen Körpers zu construiren. - Bei einem solchen Vorv

gehen liesse man ein wichtiges Moment des Lebens ausser Acht, das der

Zusammengehörigkeit und des ungestörten Ineinandergreifens aller Theile

der belebten Materie. Eine Action einer Muskelgruppe ist nicht denkbar,
            
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