Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 103)

Es ist schwierig, zu beurtheilen, ob diesen von Taikosama mit so

hohem Interesse wieder in's Leben gerufenen Verbindungen zuzurechnen,

dass Japan, das Land der aufgehenden Sonne, die während langer Kriegsjahre

 entbehrte Musse so schnell wiedergefunden hat und sich seitdem

durch einen mehr als dreihundertjährigen Frieden auf die von ihm jetzt

behauptete Stufe der Civilisation emporgeschwungen hat, so dass es jetzt

mit Recht das Grossbritannien des Ostens genannt werden dürftew

Zur Pflege der nrouen Kunst.

Die -Wiener Zeitung- vom 18. Februar war in der Lage, Mittheilungen aber einen

Erlass vom a6. Januar d. J. zu machen, in welchem der Herr Minister für Cultus und

Unterricht auf die nicht zu leugnende bedauerliche Thatsache hinweist, dass jener Zweig

der Hiatorienmalerei, der zum Gegenstande seiner Darstellung religiöse Motive

wahlt, entschieden in Verfall gernth. Einerseits nehme die Zahl der auf den Kunstausstellungen

 in Oesterreich wie auch in den deutschen Ländern erscheinenden Kirchengemalde

 von Jahr zu Jahr ab, andererseits lassen die Werke kirchlichen lnhaltes, und

zwar sowohl jene, die für einzelne Kirchen, als die für Ausstellungen gemalt werden, die

ideale Auffassung, durch welche sie auf den Beschauer wirken sollen, gänzlich oder wenigstens

 zum grössten Theile vermissen.

nWenn auchv, so fährt der Erlass fort, nein grosser Theil der Ursachen dieses

Verfalles der reügiosen Kunst in der herrschenden Zeitrichtung zu suchen sein wird,

lasst es sich dennoch nicht verkennen, dass noch andere Ursachen den egenwartigen

bedauerlichen Zustand herbeigeführt haben. Unter diesen letzteren tritt sonders die

Thatsache hervor, dass in der neueren Zeit auf eine würdige, malerische Ausschmuckung

der Kirchenbauten weniger Bedacht genommen wurde.

Wlhrend in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts die hervorragenden Historienmaler,

 ausnahmslos welcher Richtung sie angehorten, bei solchen Gelegenheiten Aufträge

 erhielten, hat dies in den letzten Decennien fast gänzlich aufgehört. Höchst selten

kommt es vor, dass hervorragende Künstler der Gegenwart, sei es aus kirchlichen Kreisen

oder von Patronatsherren, bei solchen Gelegenheiten Bestellungen empfangen.

Ein weiterer Uebelstand ist der, dass im Allgemeinen für die Herstellung derartiger

Bilder ein weit geringerer Preis den Bewerbenden in Aussicht gestellt wird, als ihn oft

rnittelmlssige Bilder anderer Kategorie erlangen.

Wenn es an und für sich schon bedauerlich erscheint, dass bei Herstellung religiöser

 Gemalde das künstlerische Interesse so sehr bei Seite gesetzt, dass in der Regel

von mit Aufträgen betheilten Malern geringen Rufes durch die groben Mittel der Goldbekleidung

 und der Farbe auf die Masse der Kirchengemeinde einzuwirken gesucht, dass

nicht durch ein künstlerisch Vollendetes Gemälde die dem Orte entsprechende Stimmung

hervorgerufen wird, ist es anderseits nicht 'minder beklagenswerth, dass durch diese

Umstände auch der Kunst im Allgemeinen und speciell der Historienmalerei ein empfind-Iidzet

 Abbruch geschieht; denn die kirchliche Malerei war es eben, welche als Grundlage

für die Histotiennmlerei gelten konnte, als eine Vorschule für die Junger und eine willkommene

 Gelegenheit für die Meister der Kunst, sich an Gemalden im grossen Style

zu uben. .

Die grosse historische Kunst auf jede Weise zu fördern, ist ein ernstes Bestreben

des Ministeriums für Cultus und Unterricht und kann dasselbe daher nicht mit Gleichgiltigkeit

 über die eben dargestellten Uebelstande hinweggehen, da sie, wie bemerkt, der

Historienmalerei den Boden entziehen.-Zum

 Sehlusse folgt das Ersuchen, bei sich ergebender Gelegenheit, es möge der

Staat selbst als Patron einer Kirche einzutreten haben oder auf die Privatpatrone einen

Einfluss zu üben in die Lage kommen, dahin zu wirken, dass in der angedeuteten Richtung

 aach Möglichkeit dem künstlerischen lnteresse Vorschub eleistet werde, so wie

das insbesondere bei Bestellungen von Altarbildern die werkt tige Betheiligung oder

doch wenigstens die Einflussnahme der Akademien der bildenden Künste beansprucht

werden, dn ja dieselben in erster Linie hiezu berufen erscheinen, wie denn auch an die

Wiener Akademie seit ihrem Bestande bis in die Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts

derartige Bestellungen in grosser Anzahl gelangten. ')

') Mnrquis de Chennevieres, der neue Directer der schönen Künste, hat, wie die

Zeitungen berichten, in Paris bei seinem Minister den Antrag gestellt, den grössten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.