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Nach der Ansicht der französischen Forscher ist die Feuersteinwaffe
von Saint-Acheuille und Abbeville aus dem Sommethal die älteste. Sie
ist auf beiden Seiten convex, mandelförmig zugehauen und wurde nach
ihrer Meinung mit der Hand geführt. Mortillier meint, dass diese Waffe
das einzige Werkzeug desjenigen Menschen war, der mit dem Elephas
antiquus und dem Hippopotamus noch vor der Eiszeit jene Gegenden
bewohnte.
Als eine spätere Form erscheint ihm die von Moustier, welche nur
auf einer Seite vconvex und bei gleichen Umrissen rundum scharfkantig
ist. Diese wurde schon in ein gespaltenes Holz geklemmt. Gegen das
Ende der Mammuth- und den Beginn der Rennthierzeit, die von jenem
Gelehrten als aufeinanderfolgend gedacht wird, vervollkommnet sich die
Industrie des Feuersteines sehr bedeutend. Wir haben da schon die rundliche
Form der Grattoirs, die lorbeerblätterförmige Lanze, die kantigen
Splitter, die als Messer benutzt wurden und den als Pfeil verwendeten
Splitter. Erst mit diesen schon sehr vervollkommneten Werkzeugen und
Waffen, welche an Stielen und Handhaben befestigt wurden, ward eine
Bearbeitung der Knochen und der Geweihe vorgenommen.
Die älteren Formen von Saint Acheuille und Moustier werden seltener
und verschwinden gänzlich. An Thieren lebten noch das Marnmuth,
das Rhinoceros, der Höhlenbär u. s. w.
Nun tritt in der Zeit der letzten grösseren Ueberschwemmungen,
die durch das Abschmelzen der Gletschermassen hervorgerufen wurden,
in der Zeit des häufigen Vorkommens des Rennthieres, des Vielfrasses und
der Gemse, des Auerochsen und des Auerhahns eine sich schnell fast zu
künstlerischer Höhe aufschwingende lndustrie des Knochen- und Hornmateriales
ein.
Es finden sich in den Höhlen Belgiens, des Perigords und der Dordogne
sowohl, wie in den Erdschichten des Seine-Thales unmittelbar bei
Paris nicht nur Knocheninstrumente aller Art, sondern auch plastisch gearbeitete,
mit thierischen Emblemen gezierte Gegenstände, die als Luxusartikel
betrachtet werden können.
Man nannte diese plastisch gearbeiteten Gegenstände nCornmandostäben,
wohl nur, um ihnen überhaupt einen Namen zu geben, da eine
praktische Verwendung dieser derartig gezierten Rennthier-Geweihstücke
nicht auffindbar war. Für uns ist es genug, zu wissen, dass in der Stufenleiter
der Entwicklung der Mensch so bald nach seinem ersten Auftreten
in Europa, wo ihm noch eine so primäre Waffe zugeschrieben wird, wie
es der Feuersteinsplitter von Saint Acheville ist, und wo die Formen sich
auf sehr wenige, oder wie einige glauben, gar nur auf eine einzige beschränkten,
in dem Zeitraume, in dem das Mammuth unsere Länderstrecken
bewohnte, die Industrie bereits einen so bedeutenden Aufschwung
genommen hat, dass wir von künstlerischen Motiven sprechen können.
Und wirklich sind die auf grösseren Rennthierschaufeln eingeritzten Bilder,
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