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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 91)

anderen harten Felsarten oder mit ausgetrocknetem Feuerstein selbst ziemlich

 leicht in der gewünschten Form zugeschlagen werden.

Nilson hat sich mit derartiger Bearbeitung beschäftigt und hat gefunden,

 dass die grösseren Feuersteinstücke, wie die von Saint-Acheville

und Moustier, lediglich in der Hand geschlagen werden können. Um eine

grössere Bruchfiäche zu erhalten, setzt man einen Feuersteinsplitter oder'

ein Quarztrlimmerchen als Keil ein und schlägt heftig gegen den Feuerstein,

 dort, wo er seine natürliche Schichtung durch dunklere Streifen

verräth. Die messerartigen Trümmer werden so gewonnen, dass von

einem cylinderartig roh zubehauenen Block, den man auch nNucleusu

nennt, durch Ansetzen dieser Keile der Länge nach die Messer abgeschlagen

 werden. Die nächstfolgenden bekommen dann eine dreieckige

Form, von denen die obere Kante wieder abgeschlagen wird.

Die kleineren Gegenstände oder die Zuschärfung der grösseren wird

dadurch erzeugt, dass man die noch unfertige Wade mit einer Hand auf

einen Quarzstein mit den Kanten stellt, während man mit der andern die

Zubehauung vornimmt. Es muss dabei stets auf die Schichtung des Ge-Steins

 Rücksicht genommen werden, und es erfordert diese Arbeit besonders

 bei den späteren, sehr kunstvoll gearbeiteten Feuersteinwatfen grosse

Gewandtheit und Geschicklichkeit.

Wir sind nun mit den Beschreibungen der Waden und Werkzeuge

und mit der Art ihrer Verfertigung bis an die eigentliche Steinzeit, die

Zeit der Pfahlbauten gekommen. Wir sahen hier Bevölkerungen vor uns,

welche weder Viehzucht noch Ackerbau trieben und nur die drei Industriezweige

 der Feuersteinbehauung, der Knochenbearbeitung und vielleicht

der Topffahrication kannten.

Obwohl nun dieser Zustand, selbst im Vergleiche mit dem der noch

heute lebenden wilden Bevölkerungen der übrigen Continente ein sehr

zurückgebliebener scheint, da wir nur wenig Volksstämme kennen, die

nicht _in irgend einer Weise Ackerbau treiben oder Hausthiere besitzen,

so ist es doch ausser allem Zweifel, dass wir uns den Menschen nicht

gar zu hilflos und zu sehr verschieden von diesen Bevölkerungen vorstellen

 dürfen. Die richtige Benutzung des ihm gebotenen natürlichen

Materiales, die Kunstfertigkeit und der bildnerische Trieb, der ihn zur

Rennthierzeit auszeichnet, lassen es nicht zu, ihn eventuell viel tiefer zu

stellen, wenn er auch noch vielfach der nothwendigen Erfahrung entbehrte

 und in keinem Contacte mit den anderen Völkern stand, welche

ihrerseits nebst den der Natur entnommenen Schätzen ihm auch ihre Erfahrungen

 mittheilen konnten.

(Schluss folgt.)
            
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