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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 98)

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hervorragender Dom, etwa der von Köln oder Strassburg, für den gothischen

Styl) erörtert. Ob die Renaissance-Architektur mit einbezogen werden kann,

erscheint mir zweifelhaft. Die Lehre von den Baustylen möchte ich als Mittelpunkt

 des kunsthistorischen Unterrichtes in Mittelschulen angesehen wissen,

daran geknüpft, was der Lehrer über den Organismus eines Kunstwerkes, über

die Glieder in der Kunst und ihr Verhältniss zu einander, über die Zierraten,

über den äusseren Kunstbetrieb und über die Einordnung der Kunst in das

Volksleben zu sagen weiss.

Angeschlossen kann werden die Lehre von plastischen Typen, erklärt an

den antiken Göttertypen und einzelnen hervorragenden antiken Statuen, Gruppen

und Reliefs; was aber die neuere Malerei betrifft, so würde es genügen, etwa

an Leonardos Abendmahl oder noch besser an Rafael's Teppichcartons die Gesetze

 der Composition, den Stil, überhaupt den Process, der eine künstlerische

Schöpfung hervorruft, anschaulich zu machen.

Das Wichtigste bleibt freilich, in den Lehrern der Mittelschulen das Interesse

 für Kunstgeschichte zu wecken, so dass diese keine Gelegenheit versäumen,

 die Schüler in das Gebiet der Kunst einzuführen und den idealen

Sinn zu beleben. Ob das beste Mittel das wäre, die Facultas für Geschichte

in den oberen Classen nur Candidaten zu ertheilen, die sich über kunsthistorische

 Kenntnisse ausweisen können, bleibt dahingestellt.

Die Frage lll, z: "Anschauungsunterrichtn bejahe ich unbedingt,

möchte sogar die Forderung aufstellen, dass dem Schüler nichts über Kunst

und Kunstwerke gesagt wird, was nicht auch seinem Auge sinnlich vorgeführt

wird. Es bedarf keines reichen Apparates. Ausser den Mitteln, welche in

jeder wohlgeordneten Schulbibliothek vorhanden sind, wären zu empfehlen das

Modell eines dorischen und ionisen Tempels, einige Abgüsse von Götterköpfen

und im grossen Maßstabe gezeichnete Baurisse und photographische Ansichten

von Architekturen. Der verstorbene Kupferstecher Keller hatte auf meine Anregung

 den Plan gefasst, die RafaePschen Cartons mit Staatsunterstiitzung zu

stechen und an Mittelschulen Exemplare zu vertheilen. Vielleicht liesse sich

der Plan wieder aufnehmen.

Ad lll, 4,: "Wie ist der Zeichenunterricht an Universitäten

beschaffenh kann man nur mit einer Jererniade antworten.

Mehrere Universitäten haben die Lehrerstellen eingehen lassen, andere

gar nicht errichtet, in anderen fristen die Zeichenschulen kümmerlich das Dasein.

 Da die naturhistorischen Disciplinen den Mangel eines Zeichenunterrichtes,

welcher die Studenten befähigt, für wissenschaftliche Zwecke Zeichnungen zu

entwerfen, Gegenstände genau zu skizziren, gleichfalls verspüren, so ist vielleicht

 durch gemeinsame Agitation mit Naturforschern eine Besserung zu er

zielen. Ein Reformplan, von mir im Einverständniss mit dem Professor der

Anatomie Geheimrath Schultze entworfen, liegt bei den Acten der Bonner

Universität. Die Hauptsache ist, dass man darauf verzichtet, durch Zeichenunterricht

 an den Universitäten halbe Künstler erziehen zu wollen.

Ad llI, 5: vLehrmittelsarnmlungen für Kunstgeschichtem Bei

der Gründung das Apparates für die Universität Leipzig (auf mittlere und

neuere Kunst eingeschränkt) machte ich folgende Erfahrungen und ging ich

nach folgenden Gesichtspunkten vor:

Die.Mittel für den Anschauungsunterricht in der Architekturgeschichte sind

am leichtesten zu beschaffen, da unsere Bibliotheken die hervorragendsten

Werke besitzen. Durch Publicationen der Architektenvereine, durch Einzelphotographien

 können vorhandene Lücken ohne grosse Kosten ausgefüllt werden.

 Was ich schmerzlich vermisste, sind Modelle verschiedener Gewölbeforrnen.
            
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