Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 99)

518

Prof. Reber: Es lässt sich der Zustand mit zwei Worten sagen: an

den Polytechniken ein befriedigender, an den Universitäten ein durchaus unbefriedigender.



Prof. Woltmann: Die Schweiz ist in diesen Dingen mit einem guten

Beispiel vorangegangen. Sie hat einen Lehrstuhl in Zürich begründet, den

erst Burkhardt, dann Liibke inne gehabt, und auf dem wir jetzt Professor

Kinkel sehen. Es sind dann andere Staaten mit ihren Anstalten gefolgt.

Zuerst Stuttgart, wohin 1866 Lübke berufen worden ist. Die nächste Berufung

 war die nach Carlsruhe 1868, wo ich hinberufen wurde. 1869 kam

Prof. Reber nach München. Allrnälig ist auch an anderen Stellen in derselben

 Weise vorgegangen worden. Jetzt ist das Fach eigentlich vertreten auf

allen polytechnischen Schulen des deutschen Reiches und der Schweiz, mit

Ausnahme von Preussen, wo hier und da allerdings Kunstgeschichte gelehrt

wird, nicht aber als Hauptfach besteht. Zu Aachen wurde ein Architekt beauftragt,

 ein Gothiker, Prof. Tochtermann, den ich für keine Vertretung des

Faches halten kann. Sein Programm war sehr wenig versprechend, und an

schriftstellerischen Elaboraten ist mir von ihm nur sein Begleitschreiben für

einen Concurrenzentwurf zum deutschen Reichstagshause bekannt geworden,

das Alles eher als eine Empfehlung für eine solche Stellung war. Wenn es

auch dort nothwendig ist, eine besondere Schulung für die Praxis in einem

mittelalterlichen Stile zu organisiren, so ist es doch gerade dßwegen nöthig,

daneben auch von den andern kunstgeschichtlichen Erscheinungen eine ungefärbte,

 vorurtheilslose wissenschaftliche Darstellung zu geben. In Hannover ist

auch ein Architekt - Hase - mit dem kunstgeschichtlichen Unterrichte beauftragt.

 In Berlin vertrat der verstorbene Professor Eggers neben zwei anderen

Akademien das Fach auch an der Gewerbe-Akademie. Jetzt hat er einen

Nachfolger erhalten, dem abermals die Vorlesungen an allen drei Anstalten

obliegen. Aber noch ist keine ordentliche Professur für Kunstgeschichte an

der Gewerbe-Akademie errichtet. In Wien ist bekanntlich Prof. von Liitzow.

Wie es an den übrigen österreichischen Instituten steht, weiss ich nicht.

Die Stellung an diesen polytechnischen Instituten ist eine andere als an

den Universitäten. Die Anforderungen der Praxis stehen da im Vordergrunde.

An manchen Stellen pflegt die Architektur-Geschichte abgezweigt und besonderen

 Lehrern übertragen zu werden. Ich halte das für falsch. Aber besonders

 das Eine ist hier zu berücksichtigen: Die Vertreter derjenigen Fächer, die

nicht technischer Natur sind, sind doch so recht da nicht zu Hause. Das

liegt in der Natur der Sache.

Anders verhält es sich nun mit der Vertretung der Kunstwissenschaft an

den Universitäten. Hier und da hat ein Privatdocent oder ein ausserordentlicher

 Professor übernommen, das Fach zu vertreten. So wirkten lange Zeit

hindurch sehr anregend Waagen und Guhl in Berlin, denen beiden ich sehr

viel verdanke. Aber sonst ist die allgemeine Kunstgeschichte selten in der

rechten Stellung durchgedrungen. Wir haben ein Beispiel, dass ein Mann

ersten Ranges, Springer, es verstand, Methode in die Sache zu bringen und

die Disziplin Jahre lang glänzend und erfolgreieh schon an der' dritten Hochschule

 zu vertreten. Wir wissen, wie in Oesterreich vorgegangen wurde, wie

Hofrath von Eitelberger das Fach eine lange Reihe von Jahren vertrat. Schlimmer

ist es bestellt an allen übrigen Universitäten des deutschen Reichs. Die Schweiz

selbst ist besser daran. Ein ausserordentlicher Professor ist in Zürich, Burkhardt

 in Basel; leider liest er nur noch sehr selten kunstgeschichtliche

Collegia. .

Die Nothwendigkeit, Lehrstühle zu begründen, wird jedenfalls immer mehr

erkannt werden. Es gehört das Fach an die Universitäten um seiner selbst
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.