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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 99)

willen; dass wir Kunsthistoriker brauchen, dass wir kunsthistorisch geschulte

Leute brauchen, auch unter den Theologen aller Confessionen, kann -nicht

zweifelhaft sein, und gerade diesen Bedürfnissen würde die Vertretung des

Faches auf Universitäten entsprechen. Etwas Anderes wäre es, wie Kunstgeschichte

 an den Universitäten vertreten werden soll; ob das Culturgeschichtliche

überwiegen soll, ob die Ausbildung des Auges hierher gehört u. s. w.; das

sind Punkte, über die sich eine Discussion erheben könnte, und über die ich

nicht zuerst das Wort nehmen möchte. Jedenfalls wollte ich an das von

Schnaase Bemerkt: erinnern.

Prof. Kinkel: Da das Wort von Prof. Reber etwas hart war, will ich

noch einiges Modificirende hinzufügen. Die Professur in Ziirich ist ursprünglieh

 hervorgegangen aus der Grundidee, die das Züricher Polyteehnicum unter

allen am ersten durchgeführt hat, der Idee der wsiebenten Abtheilungu. Es_

sollte neben den sechs Fachschulen eine Abtheilung der allgemeinen Wissenschaft

 dienen und diese durch Männer vertreten werden, die streng genommen

eine technische Bildung nicht zu besitzen brauchten; sondern man wollte ausschliesslich

 auf die wissenschaftliche Qualification der Männer das Auge richten.

Es konnte die- Vorlesungen dieser Abtheilung hören wer wollte, ausser denjenigen

 aus dem Vorcursus. ln diesem Sinne haben Burckhardt und Liibke

stets zahlreiche und aufmerksame Auditorien um sich versammelt, die jungen

Leute finden immer noch Zeit genug, um Männer wie Scherer, Burckhardt und

Andere zu hören. Das ist noch im Wesentlichen geblieben, und die Kunstgeschichte

 figurirt daher auch noch in der siebenten Abtheilung. lnzwischen

hat man aber nöthig gefunden, dass unsere Architekten die Kunstgeschichte

verstehen müssen, und fiir diese ist also die Kunstgeschichte in zwei Cursen

obligatorisch gemacht worden, so zwar, dass sie im ersten Lehrjahre gehört

werden muss. lm ersten Semester ist mit vier Stunden die Antike von Aegypten

bis Pompeji, im zweiten in vier Stunden die mittelalterliche Kunst zu dociren.

Das ist obligatorisch. Die Architekten hören dann noch die kleinen zweistündigen

 Collegien, welche der Professor daneben noch liest und die nicht obligatorisch

 sind. lm Ganzen stellt sich heraus, dass - obligatorisch oder nicht

- die Vorlesungen gleich stark gehört werden, und namentlich die antike Kunst

wird gerne und sehr zahlreich besucht, die mittelalterliche im Sommer weniger,

weil die jungen Leute zuviel in ihren Fächern zu thun haben.

Insofern ist die Stellung am Polytechnicum eine sehr angenehme und anregende.

 Aber ein Punkt bleibt zu bedenken: Bei Berufungen sollte Jeder sich

Rechenschaft darüber ablegen, dass Universität und Polytechnicum ein grosser

Unterschied ist. An dem Polytechnicum kann man für die Fortpüanzung der

Wissenschaft arbeiten, man kann keine Schule begründen. ln Bonn habe ich

als junger Docent, mit mehr Begeisterung und Liebe als Erfahrung docirend,

die Freude gehabt, drei namhafte Schüler fiir das Fach zu gewinnen und heranzuziehen,

 Lübke, aus'm Weerth und Simon. Bei der Uebernahme meiner

Stellung am Polytechnicum habe ich es gewusst, dass ich darauf verzichten

muss. Das sage sich Jeder und richte danach auch seine Methode ein, die

von der Universität sich unterscheiden muss.

Dr. Dobbert: Wenn man von der Berliner Gewerbeakadernie spricht,

so muss man gleich die Bauakademie mit hinzuziehen. Denn erst beide zusammen

 entsprechen den anderen Polytechniken. Und wenn wir das beachten,

so kann ich nicht zugeben, dass in Berlin an diesen Anstalten irgend mangelhaft

 für das Fach gesorgt ist. Ich kann natürlich von mir selbst nicht reden.

Aber neben mir wird auf der Bauakademie der Unterricht in der Geschichte

der Architektur von einem Anderen gegeben, auf der Gewerbeakademie der in

der Geschichte der Kunstgewerbe.
            
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