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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 99)

tion beantragt werden, von den Candidaten des Lehramtes für das Fach der

Geschichte auch ein bestimmtes kunsthistorisches Wissen zu verlangen. Für

selbstverständlich halte ich hierbei, dass es gut ist, wenn auch die anderen

Lehrer etwas verstehen. _ Nicht übereinstimmend verhalte ich mich zu Professor

 Springer in Bezug auf den Zeichenunterricht. ich wünschte, dass der

Zeichenunterricht an allen Mittelschulen obligatorisch eingeführt wäre.

Also ich resumire und präcisire meine Bemerkungen dahin: Man muss

für die Mittelschulen fordern erstens: Anschauungsunterricht überhaupt; zweitens

 kunstgeschichtliche Mittheilungen, namentlich im historischen Unterricht;

drittens obligatorischen Zeichenunterricht; viertens Vertretung der Kunstwissenschaft

 an den Universitäten, auch zur Bildung der Lehrer.

Superintendent Teutsch: Ich halte es für eine Gewissenssache, hier

auszusprechen, dass nach meinen Erfahrungen es denn doch nicht so desperat

und despectirlich mit unseren Schulen steht, wie es hier und da ausgesprochen

worden ist. Es mag sein, dass vielfach gesündigt wird, aus allen den Ursachen,

die hier wiederholt angedeutet sind. Aber so gar arg ist es nicht. Es werden

doch nicht viele Schulen sein, die den Jüngling entlassen, ohne dass er auch

nur annäherungsweise eine richtige Vorstellung und zwar auf Anschauungen

basirte Vorstellung von den verschiedenen Stilen empfangen hätte. Denn die

meisten, ich will vorsichtig reden, die meisten, weitaus die meisten Anstalten

haben, wenn auch nicht im Grossen und Ganzen, so doch in einzelnen Lehrern,

die der Anstalten Träger sind, eben die Ueberzeugung, dass man dem jungen

Menschen lehren müsse, mit offenen Augen in das Leben und die Welt hinauszutreten;

 und für diese Eröffnung der Augen tritt auch überall, wo die Mittelschule

 sich befindet, hier eine romanische, dort eine gothische Kirche u. s. w.

im Orte selber oder in der nächsten Umgebung entgegen. Dazu kommt, dass

diese grossen Fortschritte und dieses reiche Leben, das mit der neueren Entwicklung

 der Kunstgeschichte entstanden ist, seine Wellen trägt und schlägt auch

bis an die entferntesten Mittelschulen. Damit aber unsere Hoffnung und unser

Vertrauen begründeter seien, halte ich ein Doppeltes für nothwendig: dass dieser

Congress Zeugniss dafür ablege, dass er wünsche, diesem Unterrichte Rücksicht

 zugewandt und den entsprechenden Raum an jeder Mittelschule eingeräumt

zu sehen. Dann aber, weil die grosse und lautschallende Klage der Gegenwart

von einem grossen Theile derjenigen, die an unseren Mittelschulen wehrhaften

und verständnissvollen Antheil nehmen, ertönt, dass schon jetzt an den Mittelschulen

 zuviel des Lehrstolfes sei, und die junge Kraft nicht zu ertragen vermöge,

 was viele Lehrer von ihr fordern, - dass zugleich gesagt werde, was

gefordert wird, und wie es gefordert wird. Um der Sache Nachdruck zu geben,

halte ich es für nöthig, dass die verehrten Herren ihre Anschauung über diese

Sache in einer bestimmten Weise aussprechen; und ich erlaube mir, dazu diese

Form in Vorschlag zu bringen: -

"Indem der kunsthistorische Congress sich entschieden dafür ausspricht,

dass im Unterricht an Mittelschulen auf Kunstgeschichte Rücksicht genommen

werde, überträgt er dem ständigen Ausschuss eine eingehende Untersuchung und

Antragstellung über die Einfügung dieses Unterrichtes in die Mittelschule, bezüglich

 über Ziel und Methode dieses Unterrichtes dem nächsten Congress

vorzulegenß

Professor Kinkel stellt den Gegenantrag: Nachdem die Berathung geschlossen

 ist, möge eine Commission ernannt werden, welche im Sinne der

hier herausgetretenen Meinungs-Verständigung auf morgen dem Congress eine

Anzahl von Resolutionen über diesen Punkt vorzulegen hat.

Hofrath v. Eitelberger: Es ist uns, die wir uns hier in Oesterreich
            
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