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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 106)

I!!!

ein Gebäude austühren liesse. Und das ist gewiss die richtige Weise.

Nun gibt es aber auch, wie schon oben angedeutet worden, Kästen und

Schränke des 16. und 17. Jahrhunderts in nicht geringer Zahl und keineswegs

 in localer Beschränkung - denn sie kommen in Italien wie verschiedentlich

 in Deutschland und anderswo vor - welche geradezu Palast-

 und Hausfacaden imitiren, welche sich horizontal mit Sockel, Stockwerken

 und Gesimsen gliedern, senkrecht mit Säulen, Halbsäulen und Pilastern,

 und dazwischen statt der Füllungen Nischen mit Figuren oder

blinde Fenster mit der gewohnten plastisch-architektonischen Umrahmung,

mit Giebeln und Voluten einsetzen. Da kommt es denn freilich vor, da

doch dieser Facadenbau nur Thüren mit ihrem Gerüste vorstellt und

Sockel und Gesimse Schiebläden enthalten, dass die Säulen, die nach ihrer

Natur das Feststehende, Unbewegliche materiell wie symbolisch bedeuten,

mit den Thüren sich von ihrem Platze bewegen, selbst von ihrer Basis

und ihrem Capitäl sich trennen. Das ist jedenfalls eine Unzukömmlichkeit,

 hinreichend, das Genre bedenklich erscheinen zu lassen, während man

andererseits sagen muss, dass, wenn es in gewissen verständigen Grenzen

gehalten wird, es wohl geeignet ist, mit seiner reichen Gliederung, mit

seinem kräftigen Spiel von Licht und Schatten eine bedeutende Wirkung

zu machen.

Von diesen Schränken, die meistens Sacristeien entstammen, ist in

unserer Ausstellung eine grosse Anzahl vorhanden, vom Ende des sechzehnten

 Jahrhunderts angefangen bis in das achtzehnte hinein. Insbesondere

 sind charakteristisch und heachtenswerth diejenigen, welche aus der

Sammlung des Herrn Engen Miller von Aichholz (Nr. 68 bis 70, so wie

153) stammen; aber auch manche andere, namentlich von denjenigen,

welche unter den Arcaden aufgestellt sind, geben willkommene Varianten.

Ich verweise auf die Nummern 4, bis 6, Eigenthum der Herren Uebelacker

und Blum, so wie auf Nr. 8 (Museum) und 12. Man kann an ihnen

vortrefflich die Umwandlung im Detail verfolgen, die Veränderung der

Säulen aus cannelirten oder glatten, am unteren Theil mit Relief unikleideten

 in die gedrehten, die auf Consolen eben nur vorgesetzt werden,

 endlich die allmälige Hinweglassung aller vorspringenden Glieder und

Decorationen und den Beginn der glatten Kästen, deren Zierde nur noch

in Flader oder eingelegter Arbeit besteht.. .

Hier ist auch die Thür- und Wandbekleidung zu erwähnen, welch

im Sitzungssaal unter Nr. ig aufgestellt ist. Vermuthlich ist es eine

Tiroler Arbeit, wenigstens stammt sie aus dem Schlosse Völthurns bei

Brixen. Sie trägt ganz den imitativen architektonischen Charakter wie die

Schränke des Herrn Miller von Aichholz, obwohl sie vielleicht etwas

älter ist und noch dem sechzehnten Jahrhundert angehört. Sie schmückt

sich aber auch in allen Füllungen mit Marqueterie und fällt damit in eine

andere Classe des Mobiliars oder der Holzarbeiten, die im Folgenden besprochen

 werden soll. (Schluss folgt.)
            
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