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Geschlechtes, das unter mildem Himmel sehr frei in wenigen, weichen,
weiten Gewändern sich bewegt, wirklich eine vollkommenere natürliche
Entfaltung seiner freien Oberfläche hatte, als bei uns, wo die fester umhüllenden
Kleider ihn gewöhnlich wie eine zweite Haut umschliessen.
Sollten wir nicht in dem Studium der Anatomie gerade ein Mittel
haben, das den Mangel an fortwährender directer Naturbeobachtung zu
ersetzen im Stande ist?
"Das Studium des Muskelmannesu, sagt Diderot, "hat ohne Zweifel
seine Vortheile, aber sollte nicht zu fürchten sein, dass dieser Geschundene
beständig in der Einbildungskraft bleiben, dass der Künstler auf der
Eitelkeit beharren werde, sich immer gelehrt zu zeigen, dass sein verwöhntes
Auge nicht mehr _auf der Oberfläche verweilen könne, dass er trotz
der Haut und des Fettes immer nur den Muskel sehe, seinen Ursprung,
seine Befestigung, sein Einschmiegen? Wird er nicht alles zu stark ausdrücken?
Wird er nicht hart und trocken arbeiten? Werde ich nicht den
verwünschten Geschundenen auch in Weiberfiguren wiederfinden 3a
Es ist ein aus älterer Zeit stammendes Vorurtheil, dem Sie auch jetzt
noch zuweilen unter Künstlern begegnen können: eine menschliche Figur
habe Anatomie, wenn die Oberfläche derselben möglichst hügelig gebildet
sei. Unverstandene sinnlose Wülste an einer menschlichen Gestalt anzubringen,
deren Bedeutung dem Künstler ebenso unklar bleibt, als sie seiner
Figur, wenn sie plötzlich mit dem lfauche des Lebens beseelt würde, eine
wunderliche Last wären, -- mit dem guten Willen, ihr einen Ausdruck
von Kraft zu geben. heisst doch der Anatomie gerade entgegen arbeiten.
Ein verständiges zu scharfes Modelliren der Oberfläche mag zuweilen
nicht ohne gute Absicht geschehen, auch nicht ohne Wirkung bleiben
-_ wo es dem Gesarnmteindruck, den der Künstler beabsichtigt, zuwider
ist, wird er es wohl, trotz seiner anatomischen Kenntnisse, zu vermeiden
wissen. Gehen wir davon aus, dass der Künstler den Leichnam,
den er studirt, beleben soll, dass er bei einer richtigen Auffassung _des
Lebens naturgemäss niemals in den Fehler einer Auflösung der wunderbaren
Harmonie des ganzen organischen Gefüges verfallen wird, so erscheint
damit die Befürchtung, als könnten ihn anatomische Kenntnisse zu
einer den Kunstzwecken widersprechenden Hervorhebung der anatomischen
Details verleiten, ziemlich in die Ferne gerückt.
Es ist viel darüber gestritten worden, inwieferne man die menschliche
Gestalt idealisiren könne, beziehungsweise müsse. Eine Idee des
menschlichen Körpers gibt es nicht. ich kann mir wohl einen allen Anforderungen
der Schönheitsgesetze entsprechenden menschlichen Körper
denken - dieser liegt aber nicht ausser unserer Erfahrung - er ist nicht
etwa nach einer Idee der menschlichen Gestalt gebildet, sondern entstanden
aus mannigfachen Beobachtungen, Vergleichen, Erfahrungen. Alles
Idealisiren des menschlichen Körpers kann nur auf einem Abstrahiren aus
Naturbeobachtungen beruhen. Dies ist nicht etwa so" zu deuten; "Der