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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 106)

so gesunder und solider Natur, dass sie unserem leichtfertigen und brechlichen

 modischen Mobiliar gegenüber mit der Vornehmlich alter Geschlechter

 auftreten und der reichsten und kunstvollsten Behausung würdig erscheinen.



Das beste und zierlichste Stück darunter vom Standpunkt der Ausführung,

 zugleich das älteste, ist Nr. 63, ein kleiner Geschirrkasten mit

offenem Untertheil, dessen gut geschnittenes Ornament noch die bekannten

 Züge der deutschen Kleinmeister trägt. Es ist Eigenthum des Herrn

Ernst Weyden und stammt vom Nieder-Rhein. Ihm nähert sich ein

zweites Stück desselben Besitzers, Nr. 65. in dieselbe Kategorie gehört

auch Nr. x17, eine reich verzierte und reich gegliederte Credenz mit treppenförmigem

 Aufsatz und hoher Krönung, aus der Zeit von 1580 bis

i6oo, Eigenthum des Grafen Nako, so wie das aus Köln stammende Bett

aus der Sammlung des Fürsten Johann Liechtenstein, ein sehr gutes

Stück niederrheinischer Arbeit vom Anfange des 17. Jahrhs. (Nr. 33.)

Ganz verwandter Art sind die Kästen und Credenzen, welche uns

die dänische Halbinsel mit Schleswig und Holstein in den letzten Jahren

durch Vermittlung hamburgischer Antiquare gesendet hat. Die ziemlich

roh, mitunter aber auch vortrefflich ausgeführten Reliefs, welche gewöhnlich

 das ganze Stück bedecken, sind meistens der biblischen Geschichte

entnommen. Das Museum besitzt schon längere Zeit mehrere Gegenstände

 dieser Art; ein neues, das auch durch seinen Bau interessirt, ist

unter Nr. r ausgestellt. Ein bedeutenderes Stück, ein Wandkasten mit

zurücktretendem Oberbau und vortretendem, von Karyatiden getragenen

Gesims, mit den Darstellungen von Christi Auferstehung und Christus als

Gärtner, ist Nr. 89, Eigenthum des Herrn von Falbe, aus der ersten

Hälfte des 17. Jahrhunderts, etwa vom Jahre 1640. Hieher gehört auch

der etwas widerrechtlich schwarz geheizte Kasten Nr. 64 mit seinen zahlreichen

 Reliefs.

Herr v. Falbe, dem die Ausstellung auch die portugiesischen .Gegenstände,

 die wir bereits früher besprochen haben, verdankt, hat noch

einen anderen, höchst interessanten Beitrag geliefert, der unsere Kenntniss

vom Mobiliar der Renaissance vermehren hilft. Es sind zwei Wandkästen

 von scandinavischer Arbeit, Nr. 88 und 9x, von denen namentlich

der zweite, dessen Bau sich übrigens in den einfachen und schönen Formen

 einer reinen Renaissance hält, sich durch seine Einlagen von schwarzem

 Holze, ein: specifisch-scandinavische Art der Decoration, auszeichnet.

Diese angemessene, wenig kostbare Verzierung, von so feiner und eleganter

 Wirkung, verdiente Einführung in unser modernes Mobiliar.

Alle diese bisher besprochenen Kästen, Schränke und Buffets der

Renaissance tragen insofern wohl einen gewissen architektonischen Charakter,

 als ähnliche Principien ihre Construction beherrschen. Aber sie

haben doch ihre Bauformen für sich; es sind eben specifische Möbelformen,

 die weder der Architektur nachgeahmt sind, noch nach denen sich
            
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