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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 107)

164V

die äussere Form, die Hülle, der Kasten immer das Resultat des Uhrwerkes

 selber nach seiner Gestalt und das Ornament schliesst sich daran

in engster Weise an. Höchstens erinnern gewisse Standuhren mit Säulchen

an den vier Ecken, mit Galerien und Kuppelglocken in zierlich durchbrochenem

 Aufbau an Thurmbildungen, aber in so bescheidener Weise, so

massvoll und so dem Gegenstande angepasst, dass man die Art nicht

schelten kann. Vielmehr erfreut sie sich nicht mit Unrecht grosser Beliebtheit

 unter den Kunstfreunden.

Ganz anders ist es bei den modernen Uhren. Hier ist gemeiniglich

der Kasten die Hauptsache, das Uhrwerk und Zifferblatt selbst die Nebensache.

 Bei den französischen Uhren - und ihnen folgt noch alle Welt A

glauben wir mehr ein kleines Monument zu sehen, eine antike Figur griechischer

 oder neuerdings ägyptischer Herkunft, die auf ihrem Postamente

ruht, oder Gruppen oder Vasen oder sonst mancherlei Dinge, die mit dem

Gegenstande möglichst wenig Beziehung haben, und die Uhr selbst ist so

nebensächlich, vielleicht gar in einer Ecke angebracht. Und das Alles muss

hübsch unter einer Glasglocke stehen, die man noch mehr hüten muss als

das Uhrendenkmal selber. Hier in Wien zeigen die Gehäuse der Wanduhren

 vielfach bereits eine Besserung, einen Uebergang zu rationellen

Formen. Wie wenig aber diese Richtung sonst in der Welt durchgedrungen

oder nur gekannt ist, lehrt der Unsinn, den heute - und gerade erst in

jüngster Zeit - die Schwarzwälder mit ihren geschnitzten Uhrgehäusen

treiben, ein Unsinn, der ex professo durch Schulen noch künstlich grossgezogen

 ist. Das ganze Gebirg mit seiner Natur, seinen Thieren, seinen

Bewohnen, seinen Sitten treibt sich anspruchsvoll um so ein arruseliges

Uhrwerk herum, dass man wirklich die alte, bescheideneArt mit schlecht gemalten

 Blumen auf emaillirtem oder porzellanenemZifferblatt noch vorzieht.

Doch zurück von dieser kleinen Abschweifung zu unserer Ausstellung,

 davon wir noch besonders besprechen wollten, was sie in jüngster

Zeit an Ergänzungen erhalten hat. Das bedeutendste davon sind einige

Kästen aus dem Besitze der Herren Bourgeois in Heidelberg, darunter

selbst ein seltenes gothisches Stück (Nr. 176), niederrheinischen Ursprungs,

aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es ist ein kleiner Wandkasten

 in zwei Abtheilungen, die Thürfüllungen mit Wappen und Helmen

und äusserst zierlicher, zu Laubwerk zerschnittener Helrndecke in Relief

überzogen, auch mit reichern Eisenwerk versehen, das, aus Bändern,

Schloss, Griff u. s. w. bestehend, einen Hauptschmuck bildet. Dieser Eisenbeschlag

 ist platt und scharfkantig, ebenso wie auf den gethischen Möbeln

rheinischen Ursprungs aus dem Besitz des Fürsten Liechtenstein, nicht

getrieben und_gebuckelt und zu der zierlichen, plastischen Lebendigkeit

ausgearbeitet wie das Nürnberger, Augsburger oder sonst süddeutsche

Eisenwerk der gleichen Epoche. Es scheint darin ein charakteristischer

Unterschied für die norddeutsche und die süddeutsche Arbeit in diesem

Metall zu liegen.
            
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