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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 107)

1'657

Ein anderer Wandkasten aus dem gleichen Besitz (Nr. 179) stellt

uns mit gemischt gothischen und Renaissancemotiven den .Uebergang

aus der einen Kunstperiode in die andere dar. Man möchte indess nicht

blos gemischten Styl und gemischten Geschmack, sondern auch verschiedene

 Hände daran wahrnehmen, so dass man sich des Eindruckes nicht

erwehren kann, als ob die drei Einheiten von Zeit, Ort und Idee erst

später mit einiger Kunst und Gewalt an diesem Stücke hergestellt seien.

Vortreffiich sind dagegen die heidlen grossen, ebenfalls neu hinzugekommenen

 Wandkästen Nr. x77 und x78 (gleichfalls Eigenthum der Herren

Bourgeois)", deutsche Renaissancearbeiten aus der Mitte oder der zweiten

Hälfte des 16. Jahrhunderts. Beide sind offenbar, wie die kleinen landschaftlichen,

 mit religiösen Figuren staflirten Reliefs in den Füllungen

erkennen lassen, des gleichen Ursprungs und bilden in Grösse und in

ihrem ausgezeichneten Bau Seitenstücke, obwohl der obere Theil insofern

Verschiedenheiten bietet, als er bei dem einen zurücktritt und das Hauptgesims

 von drei Karyatiden getragen wird. Dieses reizende Motiv der

architektonischen Construction, das wir sehr häufig an den Kästen unserer

Ausstellung finden, ist der heutigen Schreinerei gänzlich unbekannt. Schon

das 18. Jahrhundert hatte es aufgegeben.

Auch aus dem Besitz des Architekten Bäumer, Erbauer des Nordwestbahnhofes,

 sind ein paar gute Möbelstücke hinzugekommen, ein grosser

Wandkasten aus der Mitte des 17. Jahrhunderts (Nr. 172) von der Art

jener früher von uns geschilderten, die architektonischen Bau mit einer

Zusammensetzung verschiedener Hölzer verbinden, und ein niederer, halbhoher

 Wandschrank (Nr. 183) aus dem Anfange des 17. Jahrhunderts von

ganz vortreßlichem architektonischen Arrangement. Auch diese Art von

Kästen, die dem Gebrauche mancherlei Bequemlichkeit bieten und mit ihrer

geringeren Höhe sich sehr gut zum Aufstellen verschiedener Gegenstände

verwenden lassen, ist heute ganz aus dem Gebrauche verschwunden.

Minder bedeutend erscheint, was an Sitzmobilien hinzugekommen ist;

doch sind hier zwei charakteristische Stücke zu erwähnen: eine grosse

Truhe mit geschnitztem Vordertheil, die als viersitzige Bank sophaartig

gedient hat (Nr. 180, Eigenthum der Frau v. Litt row), so wie ein Fauteuil

 mit gebogenen Armlehnen und Beinen und mit geschnitztern, mit

einem Mascaron verzierten Rücken, der ganz noch die Form aus dem An.

fange des 16. Jahrhunderts bewahrt hat, seiner Ornamentation nach aber

wohl erst etwas späteren Datums ist. Es ist Nr. 165, Eigenthum des Grafen

 Nako.

Wie bei diesem Sessel, der eine für unser Auge etwas bizarre Form

hat und dennoch, mit Ausnahme der geschnitzten Rücklehne, von rationeller

 Art ist, so mag es uns bei manchem anderen Stück der Ausstellung

ergeben, dass es uns schwer, seltsam, vielleicht auch unpraktisch vorkommt.

 Zum Theil mag das richtig sein, für unsere Lebensweise wenigstens,

 die sich seit der Urväter Zeiten mannigfach verändert hat; zum
            
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