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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 108)

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Ein Hinderniss, das weiterer Verbreitung des fraglichen Unterrichtes im Wege

steht, ist der Mangel an geeigneten Lehrkräften. Auf dem Lande sind es meist die

Lchrersgnttinnen, welche sich mit dem Unterrichts: befassen; der Landesscbulrath hat

jedoch bereits die nothigen Einrichtungen nur Erolinung eines eigenen Lehrcurees für

Arbeitslehrerinnen getroden, an dass künftig nur geprüfte Lehrerinnen dieser: Unterricht

besorgen werden. '

Den von den Bezirkscchulrathm an den dllentlichen Volksschulen bestellten Lohrerinnen

 werden gemäss g. 3x des kärnthnerischen Landesgesetzes vom 27. October 197!

Z._ 24. fixe Remuneraticnen aus dem Landeaschulfonde bewilligt.

In Krnin wird der Unterricht in den weiblichen Handarbeiten nur an 3 Volks.

schulen, 2 Madchenschulen. 2 Kloster-schulen tmd nn to-Privatinntimten ertheilt. Warum

dieser Unterricht an den Volksschulen an wenig vertreten, wird in dem Berichte nicht

mitgetheilt. Dns durchschnittlich: Lehrprogramm umfnent du Stricken, Nihin, Häkeln,

Sticken; die einstündige Lehrzeit ist auch hie: eingeführt.

Triest weist 8 otfentlicbe städtische Schukn, 23 Privet- und loTcn-itnrielschltldn

aus, an welchen der fragliche Unterricht ertheilt wird. Derselbe wird von der Clesscnlchrerin

 versehen, ausser in der städtischen Schule, im Arrnenhause und in 3 Territorialschulen,

 wo die Geschlechter nicht getrennt und eigene Arbeitslehrerinncn bestellt sind.

Das Lehrprngramm der Territcriahchulen umlnent Stricken, Nahen, Hebeln, Merken,

Stopfen und Ausbessern; das der höheren Classen der Stedtsehulen: Weies- und Bunkstickerci,

 Filet. Frivolität und sonstige Luxuearbeiten.

Der Bericht erwähnt die Industrie-Ausstellung zu Triest im Jahre 18m. weiche

glänzendes Zeugniss fnr die Leistungen dieser Schulen gab.

Die städtischen Schulen zählten irn letzten Schuljahre ä3o7 Schülerinnen. welche,

in 37 Classen getheilt, 705 Arbeitsstüclte vollendeten. Die IO Territorilkchulm wiesen

2175 Arbeiten von praktisc ein Werthe aus, welche von den Schtllerülnen für des Haus

und den Bedarf der eigenen Familie angefertigt wurden.

Ausser den vorgenannten Schulen sind in der Stadt Triest selbst 19 Arbeitnechulcn

und 3 weibliche Confersinnsscbulen: eine griechisch-orientalische, eine lsrnclüiszhe und

die der evangelischen Gemeinde.

In Göre bestehen keine Arbeitsschulen für schulpflichtige. Mädchen, weder reiben

ständig noch in Verbindung mit: den Volksschulen; nur in Seseann wird an einer Volksschule

 solcher Unterricht von einer Lehrerin crtheilt, welche nur einer Stiftung die Remunerntinn

 von 63 H. bezieht. ln eilen Mndchenschtlleu der Provinz und zwar an z:

blfentlichen und 6 Privatschulen ist der Unterricht in den weiblichen Handarbeiten dilv

geführt. Um Lehrpregrnmm begreift des. Stricken, Nähen, Häkeln, Merker-l, Atubeßern

und Stopfen, in einigen Schulen du Zuschneiden von Wnaehe und leichte Kunstnrbeiten.

Das Verstdndnias für den Nutzen der weiblichen Handarbeit war bis vor Kurzem

bei der Bevölkerung den Landen sehr gering. Der Erlös, den solche Arbeit als Erwerbstmittel

 bot, wer sehr unbedeutend. und dadurch echien sie selbst wenhloe. Seit der Lostrennung

 der italienischen Provinzen und durch den seither gesteigerten Fremdenbanch

ist die Nnchfmge nach weiblichen Handarbeiten jedoch bedeutend gewachsen und sind

dieselben zu einem nicht geringen Erwerbszweige. der weiblichen Bevölkerung geworden,

welche ein eigenthnrnlicher Kunstsina und: leichte Auffassungsgabe auszeichnet. Schulen,

die einzelne Zweige der weiblichen Handarbeit pflegen, wie Spitzen, Gnldstickerei, Kuüplarbeiten

 cm, Anstalten, die weit über Zweck und Wesen der Volksschule hinausgehen,

dürften bei den eigenthm-nlichcn Verhältnissen des Landes und seiner Bevollterung von

grossem, wahrem Nutzen sein.

In Schlesien wird in an ötfentlichen und Privatschulen: der Unterricht in den

weiblichen Handarbeiten ertheilt; derselbe wird nur in den Städten nngestrebl, auf dem

Lande werden die kleinen Mädchen nach Thunlichkeit dem Scltulbesuche entzogen, um

sie im Hause und Felde zu verwenden. Aus Jablunknu wird berichtet, das: von 160. die

Volksschule besuchenden Mldchen circa 70. keinen Unterricht in den weiblichen Hemiarbeiten

 erhalten. in einzelnen Schulen, sn in der Volksschule zu Bntedorf. werden die

Kinder durch Privatwohlthütigkeit mit Arbeitsmnterinle venehen und innen-richtet. ln

mehreren Schulen den Flnchlcudes unterrichten die Freuen und Töchter der Lehrer, -

oft in ungenügender Weße. Nur durch die Hernnbiütxng von tauglichen Lehrerinnen

kann der nterricht im Lande erspriesslich gefördert und den Anforderungen der Schulordnung

 genügt werden.
            
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