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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 109)

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Eine Anzahl von Figuren an der Glyptothek (Vulcan u. A.), bei der

Ruhmeshalle, bei der Walhalla sind in diesem Materiale ausgeführt und

überall hat sich der Marmor aus Laas bewährt. Davon kann man sich

überzeugen, wenn man nur will - ebenso davon, dass auf dem Petersplatze

 in Rom die kolossalen Figuren aus Marmor von Carrara, Petrus

und Paulus, gleich nach der Thronbesteigung Papst Pius IX. errichtet,

heutigen Tages schon voll von schwarzen mikroskopischen Pilzen sind.

Aber die Architekten des Königs Ludwig von Baiern zerstörten

vielfach die Brüche; es war nur ein Raubbau. Man suchte Marmor so

viel als möglich herauszubrechen und verwüstete vielfach das Material;

von einer geordneten Benutzung des Steinbruches war keine Rede. Nach

den Zeiten dieses Königs blieben die Laaser Werke fast ganz unbenutzt.

Hie und da benützte man den Marmor zu kleinen Grabdenkmälern. -

Herr Lenz und dann der Bildhauer Joh. Steinhäuser (letzterer angeregt

durch seinen Vater, den Prof. Steinhäuser, jetzt in Karlsruhe), studirten

förmlich den Tiroler Marmor und nützten die Brüche von Laas in geordneter

 Weise aus. Römer von Geburt, von Jugend auf vertraut mit der

Marmortechnik, vereinigt Herr Joh. Steinhäuser die Kenntniss eines Bildhauers

 mit der eines Steinmetzen; - in der Schule seines Vaters hat er

eine pünktliche und gewissenhafte Bildhauertechnik kennen gelernt.

Die Vorzüge des Marmors in Laas sind in erster Linie die schöne

Farbe, welche ihn dem Parischen Marmor sehr nahe stellt, seine Witterungsbeständigkeit

 und dass er in grossen Stücken bricht. Er ist etwas

härter als der Marmor in Carrara, lässt sich aber sehr gut bearbeiten,

schleifen, drehen und mit dem Meissel behandeln. Diese Vorzüge lernte

Bildhauer L. Sussrnann-Hellborn kennen und er lenkte die Aufmerksamkeit

 des Curatoriums und der Direction des Oesterr. Museums auf

dieses schöne Materiale.

Als ich im August die Marmorwerke in Laas besuchte, fand ich

dieselben in bestem und in rationellem Betriebe. Gegenwärtig sind drei

Brüche im Gange; einer in der Nähe von Laas, ein zweiter ebenfalls bei

Laas (6ooo' hoch gelegen), eingerichtet für einfache Vorpunktirwerkstätte,

und ein dritter im Martellthale für eine ordinärere Marmorqualität.

Die Werkstätten in Laas sind eingerichtet für das Drehen, Schleifen,

Punktiren und für die iigurale und die Ornamentbildhauerei. Mit Ausnahme

 dreier Italiener sind nur Arbeiter aus Laas und Umgebung ida.

Die kleinen Tiroler Burschen, die hier im Winter im Zeichnen geübt

werden, sind sehr geschickt, auch mehrere ältere Leute; im Ganzen

mögen an 40 Leute beschäftigt sein. Der von dem k. k. Handelsministerium

 organisirte Unterricht bezweckt die Heranbildung tüchtiger Marmorarbeiter,

 nicht für künstlerischen Dilettantismus. Schritt für Schritt hat

sich seit sieben Jahren diese Werkstätte entwickelt. In dem stillen Thale

sieht man eine einheimische Industrie aufblühen auf einer gesunden Basis

und in einem geordneten Betriebe.
            
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