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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 109)

Die Art und Weise, wie die Marmorblöcke aus den beiden Brüchen

auf den Höhen herabgebracht werden, erinnern mich an die Schilderungen

des Marmorbetriebes zur Zeit des Michelangelo. Wie viel Mühe und

Verdruss hat diesem Künstler diese Angelegenheit gekostet; wie drastisch

drückte er sich in seinen Briefen aus! Er war ein wahrer Pfadfinder, der

erste, der in dem Labyrinthe der Marmorgebirge bei Carrara eine künstlerische

 Bahn zu brechen verstand.

Das Marrnorgebiet von Vintschgan erstreckt sich von Meran an,

vom Martell- und Laaser Thal bis zum Ortler. Was wir gesehen haben,

ist eine industrielle und zugleich eine künstlerische Arbeit, für architektonische

 Bedürfnisse und für Aufträge künstlerischer Art. In Arbeit

fanden wir eine Pieta für ein Grabdenkmal in Frankfurt, einen grossen

Altar für Heidelberg, einen Altar für Ettlingen im Badner Oberland etc.;

eine grosse Büste aus Zumbusch's Atelier, ein Altar für Terlan ist die

einzige künstlerische Arbeit für Oesterreich! Die industrielle Arbeit für

Stiegen, Tische etc. ist reichlich vorhanden.

Die punktirten figuralen Arbeiten sind sämmtlich sehr genau, die

ornamentalen präcise ausgeführt. Was für uns Bedürfniss ist, ist vor

Allem die vorbereitende Arbeit für unsere Bildhauer zu organisiren, die

in grossen Städten zu theuer kommt und nur auf diese Weise möglich

gemacht wird-und in erster Linie ist es für Tirol wichtig, die Marmbrbrüche

 in grösserem Style nutzbar zu machen, die einheimische Kunstindustrie

 zu wecken und den Geist der Industrie zu heben. Aber es wird

lange Zeit brauchen, bis wir uns gewöhnt haben werden, für unsere

eigenen Bedürfnisse Sorge zu tragen. Die Italiener sind rührig, industrieller

 und haben einen praktischen Patriotismus, den wir wenig pflegen.

Laas in Tirol, 30. August 1874. R. v. E.

Schloss Velthurns in Tirol.

(Zum Theil nach Miltheilungen des Hen-n Prof. Grissemann in Brixen aus dem

dortigen Archive.)

Das südwestlich von Brixen gelegene Schloss Velthurns (Feldthurns),

 dessen Innenräume in diesem Sommer von Schülern der Kunstgewerbeschule

 unter Leitung des Prof. Storck aufgenommen worden sind,

wurde von Johann Thomas v. Spaur im Jahre seiner Erhebung auf den

bischöflichen Stuhl von Brixen (1578) zu bauen begonnen. Pfleger des

Bischofs auf Velthurns war der fürstl. Rath und Kammermeister Georg

Leopold v. Schwarzenborn zu Hofstätt, an welchen sämmtliche Baurechnungen

 gerichtet sind. Als Baumeister erscheint Mathias Parlati, Bürger

und Maurermeister zu Brixen. Ob von ihm auch der Riss des Gebäudes

herrlihrt, ist leider nicht ersichtlich.

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